22.06.2026
23:23 Uhrbearbeitet:
22.06.2026
23:24 Uhr
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[b]Rauchen - Rauchen - Rauchen[/b]
Vor gut 120 Jahren waren rauchende und betrunkene Frauen nicht sonderlich gut angesehen. Das passte nicht in das Weltbild. Rauchen und trinken hatte was mit Abenteuer und Krieg zu tun. Das war überwiegend Männersache. Tabakpfeife und Zigarren waren damals angesagt.
Zigaretten gab es schon viel früher in Deutschland. 1861 wurde die erste Zigaretten Fabrik in Dresden eröffnet. 1862 eröffnete dann die berühmte Yenidze Fabrik in Dresden, dessen Gebäude bis heute ein Wahrzeichen der Stadt ist.
So richtig los mit den Zigaretten ging es aber erst etwas später. Bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs gab es hier ca 8000 verschiedene Zigaretten Marken die von ca 1000 großen und kleinen Firmen hergestellt wurden.
In einer Werbeschrift 1914 konnte man damals folgendes lesen:
[i] „Die Zigarette gehört zu uns wie die feine Wäsche, das Bad, der Lackschuh, der Smoking, wie die Elektrizität, das Auto, der Aeroplan und tausend andere Dinge. .... Nicht nur, weil der leicht aromatische Duft des türkischen Cigarettentabaks unsere Räume und seine Bewohner angenehm parfümiert, während kalter Cigarren- oder Pfeifenrauch widerlich riecht; nein,... Die abgeknabberte Pfeife, die schmuddelig zerkaute Cigarre müssen zwischen den Zähnen gehalten werden und bedingen dadurch eine mehr oder minder hässliche Grimasse des Rauchers; die leichte Cigarette liegt appetitlich und graziös zwischen den Lippen”[/i]
Im 1. Weltkrieg änderte sich alles. Geld verlor seine Kaufkraft und Zigaretten wurden zum Sold. Krieg war eben Männersache und damit wurde die Zigarette auch etwas heldenhaftes. In den Schützengräben war der Tabak wichtiger als das Essen, das oft nicht geliefert wurde. Tabak beruhigte die Nerven und zügelte den Appetit. Die Werbung zeigte damals rauchende Soldaten in Siegerpose. Ohne die tröstende und stimulierende Zigarette ...wer weiß ob der Krieg so lange gedauert hätte. 1918 wurde dem Tabak sogar eine friedenstiftende Wirkung zugesprochen.
Auszug aus einer Werbeschrift 1918:
[i]“Nur der Tabak verscheuche “üble Gedanken und bedeutet keine tierische Befriedigung, sondern eine menschliche. Er erhitzt nicht, entfacht keine Wollust und führt zu keiner Sucht.
Kein Mann kommt ins Heim getrottet, um infolge von Tabakgenuss ein Weib zu schlagen. Der Geist der Zigarette verursacht das Gegenteil von Wildheit. Tabak ist ein Friedensschätzer, reich an Milde, und kann deshalb beanspruchen, als Segen der Menschheit betrachtet zu werden.”[/i]
Bis zum Ausbruch des 2. Weltkriegs explodierte der Zigaretten Konsum. Von 50 Stück pro Kopf und Jahr stieg es auf 1.300 Stück empor. Eine Steigerung von 2.600 Prozent. Alle rauchten wie die Blöden. Aber das war noch lange nicht das Ende
So richtig los ging es dann in den 50er Jahren. Den Zigaretten wurden suchtsteigernde Substanzen zugesetzt. Rauchen war überall möglich und erwünscht. Ärzte empfahlen ihre Lieblingssorten. Ein kollektiver Wahnsinn brach aus. Alle rauchten um die Wette und wurden süchtig.
Nicht nur süchtig, die Menschen wurden auch krank. Sehr krank sogar. An den Folgen des Rauchens sterben in Deutschland jährlich 130.000 Menschen (RKI).
Es gibt viele Ideen, warum wir Menschen uns mit dem Tabak selber zerstören und letztlich eine Art Slow Motion Suizid begehen.
Eine dieser Gedanken hat unmittelbar mit dem Trauma des Kriegs zu tun.
Da lesen wir:
[i]Die Tabaksucht der letzten 100 Jahre ist ein kollektives Symptom. Eine globale psychische Nachwehe auf die Selbstzerstörungskraft der Kriege. Das Inhalieren von Rauch ist ein unbewusstes Ritual – eine symbolische Fortsetzung der inneren Verwüstung durch äußere Zerstörung.[/i]
Ich finde, darüber kann auf jeden Fall nachgedacht werden. Mir ist es jedenfalls unbegreiflich, warum die gesamte Welt einer so destruktiven Sucht verfallen ist.