[SIZE=2][b]Tag 784 Montag[/b][/SIZE]
[b]Gedanken zur Sucht[/b]
Ab und zu geht mir ein Gedanke durch den Kopf. War ich nur nach Tabak süchtig oder ist da noch mehr? Ich frage mich dann .... was gibt es da noch? Wo hole ich eigentlich mein Dopamin ab? Wo kommen die Kicks her? Meine Berufe tun und taten da schon einiges. Aber das war nie genug. Ich war immer auf der Suche nach einem Amplifyer. Suche .... da war die Sucht nicht weit. Sucht ist immer dann, wenn es keine Wahl gibt. Wenn ich es tue. Wenn es ohne dieses oder jenes nicht geht.
Es ist ja auch so einfach. Früher habe ich monstermässig gekifft. Das war in meinem Job total normal. Es gab die Rotwein - Bier - Gin Fraktion, die Kiffer und die Kokser. Tabak sowieso. Da war eigentlich alles vertreten. Alles womit sich noch die Arbeit erledigen konnte.
Als ich dann mit dem Kiffen aufhörte rauchte ich weiter Tabak und stieg auf Alkohol um. Zum runterkommen. Feierabend. Genuss. Der feine Wein zum Essen. Der eine Rum aus Nicaragua, der andere Rum aus Indien. Unter 100€ die Flasche war es Dreck. Der Geheimtipp war plötzlich Gin aus dem Schwarzwald. Fast so wie bei Tarrantino.
Porno und Café. Shorts auf Youtube und TikTok, Serien bei Netflix. Corona lässt grüßen. Nicht zu vergessen sind die Pistazien Croissants. Ich habe mir sehr oft die Frage gestellt, ob ich mein Leben ändern sollte, um mich von der Sucht zu befreien.
Was den Alkohol angeht.....sooo schlimm war es ja gar nicht.... oder doch? Naja, da war schon immer dieser leichte Nebel im Hirn. Jeden Morgen. Aber das war ja immer so. Also völlig normal. Ich habe ein paar Tests im Internet gemacht. Da kam etwas ganz Anderes heraus. Stark risikoreicher Konsum hieß es da.
Ach du Schreck. Das wars dann. Schluss damit!
Zum Glück hörte ich mit dem Rauchen auf und Bier und Wein schmeckten mir nicht mehr, Rum und Gin hatte ich schon vor vielen Jahren gestoppt. Tschau Alkohol! Was für ein Gewinn!
Morgens klar und frei aus dem Bett gesprungen und den Tag begrüßt? Neee, so auch wieder nicht. Aber doch anders als früher. Doch klarer. Doch irgendwie freier. Selbstbestimmter. Schwer zu beschreiben, aber auf jeden Fall ein gutes Gefühl.
Trotzdem, das ist noch nicht Alles.
Sehr oft habe ich das Gefühl nur von der einen Sucht zu einer anderen zu taumeln. Dann frage ich mich auch.... geht es mir hier alleine so? Hier im Forum komme ich mir wie ein Freak unter gesunden und starken Menschen vor. Naja, da ist das Rauchen, aber sonst ist alles in Ordnung.
Naja, so ganz stimmt das nicht. Einige haben mir schon ihre schwierige Geschichte erzählt. Aber der Mehrheit geht es gut.
Bei mir ist das definitiv nicht so. Ich bin mir da ganz sicher. Damit ist das Thema uach schon fast wieder zu Ende gedacht. Es stellt sich die große Frage, ob solche Fragen hier überhaupt gestellt werden dürfen. Und dann noch von mir. Ich bin ja Lotse hier und sollte wie ein Eisbrecher unbeirrt meine Bahnen ziehen. Komme was da wolle immer gerade aus. Das leuchtende Vorbild!
Nun ist das hier mein Tagebuch, das ich als User begonnen hatte, also schreibe ich hier als User weiter. Also vergesst den Lotsen an dieser Stelle.
Es ist ja auch nur ein Lebensabschnitt. Ein Jahr Entzug vom Tabak, danach geht uns das alles nichts mehr an. Alle verschwinden danach wieder in ihrem Alltag und leben ab jetzt gesund und glücklich ihr Leben. Der Tabak war eine Störung, eine Irritation . Aber stimmt das? Ist das wirklich so? Ich weiß es nicht, wie es den anderen hier geht. Für mich gilt das nicht. Noch nie habe ich mich so intensiv mit dem Thema Sucht beschäftigt. In meinem Alltag habe ich in den letzten zwei Jahren sehr viele Gespräche mit süchtigen Menschen geführt. Das hat mir eine neue Sicht auf das Thema Sucht gegeben. Ich sprach mit Alkoholikern, Koksern, Sexsüchtigen und Spielsüchtigen. Es gab sehr spannende Gespräche mit einer Nachbarin, die in ewigen Nachtschichten verzweifelte Online Gamer therapiert.
Mein Fazit.... Sucht ist überall zu finden.
Für heute genug
Ich wünsche euch eine gute Woche