Hallo,
ich hatte gerade mal ein bisschen Zeit hier reinzukucken, habe die Diskussion gespannt verfolgt, und nochmal: Ich finde es gut, dass hier auch kontrovers diskutiert werden kann.
Und gern würde ich nochmal einwerfen, dass es nicht den EINEN Weg gibt, der zum Ziel führt.
In 25 J. Suchtarbeit (vornehmlich mit alkoholkranken Menschen) habe ich dafür zu viel gesehen und gehört.
Daher hier nochmal ein paar Statements:
Zum einen gebe ich Hans recht insofern, dass Sucht eine Krankheit ist!! Das gilt für Alkohol, Drogen, Medikamente, Glücksspiel... und eben auch für Nikotin; wobei man heute sogar davon ausgeht, dass die Nikotinsucht die stärkste von allen ist, sogar mehr als bei Heroin (nicht die körperliche, aber die psychische Abhängigkeit)! Dass es immer noch nicht in den köpfen der Menschen angekommen ist, dass das eine Krankheit ist, führt zu unendlich viel Leid. Schon insofern, dass gerade Alkoholkranke erst gar keine Hilfe annehmen oder erst wenn sie schon sehr krank sind, und das nur wegen der Scham! Jetzt gibt es aber bei jeder Sucht einen besonders perfiden Mechanismus: Je größer die Scham, aber auch: je größer die Angst, desto größer der Drang bei einem Süchtigen, wieder zum Suchtmittel zu greifen! (Deswegen auch "suchttypischer Teufelskreis) Deswegen funktioniert Abschreckung auch nicht, wie Claudia schon gesagt hat, und Schuldzuweisungen oder jemanden runtermachen oder so, das funktioniert schon mal gar nicht.
Insofern tue ich mich auch ein bisschen schwer, Detten, wenn Du von deiner Familie berichtest und welches Leid die Raucher über andere gebracht haben; denn Abhängigkeit ist eine Krankheit, die sich keiner aussucht, genauso wenig wie Pest oder Cholera.
Gleichzeitig bedeutet der Krankheitsbegriff natürlich auch: Krank werden kann jeder, das ist keine Schande (!!!), allerdings trägt man für die Gesundung auch (Mit-)Verantwortung. Und genau das ist meines Erachtens der Punkt, worum es hier geht und wo es zur Uneinigkeit kommt: Einerseits kann niemand etwas für seine Krankheit, andererseits wäre es auch nicht richtig, wenn man sich nur darauf beruft und - überspitzt formuliert - sagt "ich kann ja nix dafür, ich bin krank"... Ich glaube, da sind wir uns alle einig.
Was aber nun der richtige Weg ist, mit Rückfällen umzugehen, da hab ich schon vieles erlebt: manche sagen, erst als sich alle abgewandt haben, als sie ganz allein dastanden, da konnten sie sich von ihrer Sucht befreien. Andere sagen, nur die Zuwendung und das Verständnis anderer habe beim Weg in die Abstinenz geholfen.
Das ist genauso unterschiedlich wie die Wege des Aufhörens: In dem Buch, das Powli angegeben hat, steht zum Beispiel, nur das Vernichten sämtlicher Raucherutensilien sei der richtige weg. Ich kenne viele, hier aus dem Forum und auch privat, da war es anders. Mein Vater hat z.B. nach jahrzehntelangem Kettenrauchen mit 50 J. aufgehört, er hatte jahrelang noch 1 Schachtel Kippen in seiner Schreibtischschublade liegen. Na und? Bis zu seinem Tod 29 J. später hat er nie wieder geraucht. Ich finde diese Art Bücher, die so kategorisch diktieren, was richtig ist, zum Gruseln. Andere finden sie hilfreich, da haben wir´s wieder:)
Jeder muss seinen Weg finden!!!!
LG....