Liebe Kirsten :smileumarmung:
komme gerade an diesem wunderschönen Spätsommertag :sun: von einer Radtour :radfahren:in einen Biergarten :herbst: direkt an der Sieg mit meinem besten Freund zurück. Scheeee war's.
Was du schreibst klingt nicht so gut. Und doch geht es vielen, wie du auch an Baldso's Nachricht siehst, mit ihren immer älter werdenden Eltern ähnlich. Körperliche Gebrechlichkeit, Demenz, bis hin zu stationären Aufenthalten in der Psychiatrie wegen Eigen- oder Fremdgefährdung: und wir, die Kinder, werden auch nicht jünger, haben unser eigenes Schicksal und niemand fragt danach, ob wir das eigentlich selbst stemmen können.
Als meine beiden hochbetagten Eltern ihrem Wunsch gemäß mit meiner Unterstützung (und der des Pflegedienstes, meiner Kollegen) noch zu Hause lebten, bin ich, die ich auch nicht ganz gesund bin, oft weit über meine Grenzen hinaus belastet gewesen. Es war oft hart, besonders die letzte Zeit, und doch erlebe ich heute an meiner Mutter, die nie ins Heim wollte, als eine Art Belohnung, wie sehr gut sie sich dort im Laufe der Zeit eingefügt hat und auf wieviel sie wirklich klaglos verzichtet, nun, da sie einsieht, dass es keine andere Möglichkeit mehr gibt. Sie ist heuer 90 geworden und sie lebt, chronisch zuckerkrank seit weit über 50 Jahren mit entsprechend schlechtem Sehen, gerne: neulich meinte sie, wenn das so weitergeht, werde ich noch 100 Jahre alt.
Nun ist das eine andere Geschichte und hat mit der von dir und deiner Mutter kaum Ähnlichkeit.
Was ich damit sagen will, ist einfach dies: das Leben stellt uns oft vor große Herausforderungen. Ich kann nicht behaupten, dass ich mich immer angemessen und zuträglich verhalten habe, genau wie auch meine Eltern nicht. Und doch zeigt mir der Verlauf, dass ich auf meine unvollkommene Art offensichtlich viel richtig gemacht habe. Ich bin da gewesen. Das zählt.
Die Dinge, die du auf deine Erkrankung zurückführst, können auch einfach Anzeichen von Überforderung sein.
Und dass deine Krankheit mit dieser großen psychischen Belastung wieder verstärkt ihre Krallen zeigt, ist kein Wunder. Ich drücke dir sehr die Daumen, dass dies vorübergehende Erscheinungen sind. Mein Gott, wie oft habe ich gedacht, ich bin im falschen Film. Vor mehr als 10 Jahren habe ich angefangen, in einem Jahreskalender eine Art Tagebuch zu führen, da so viel zu Organisieren war, dass ich abends nicht mehr wusste, was ich morgens getan hatte. Das kann ich übrigens jedem, der älter wird und mit dem Gedächtnis manchmal zu kämpfen hat, nur empfehlen: mir zum vergangenen Tag morgens Stichworte zu machen, ist mir zur lieben Gewohnheit geworden.
Und manchmal schön, mal zurückzublättern: ach, das habe ich letzten September gemacht.
Dass dich die Zigarette auf die altbekannte Weise lockt, wundert mich nicht.
Und Kerstin, du darfst rauchen. Niemand verbietet es dir. Die Frage ist, wohin dich das führt und ob es dir guttut.
Einfach, ob du es wirklich möchtest.
Rauchen schadet der Gesundheit, wenn du es temporär wieder tust, kannst du damit nach kurzer Zeit wieder aufhören?
Ich weiß, ich könnte es nicht. Und hätte zusätzlich zu den anderen Problemen dieses mit allen negativen Auswirkungen auf Lungengesundheit, Selbstbewusstsein, Geldbeutel, Gestank etcpp. wieder.
Und für mich weiß ich, das will ich nicht. Das hält mich vom nächsten Zug ab. Gott sei Dank!
Aber jeder hat seine eigene Geschichte und geht seinen eigenen Weg. Du bist stark, und du hast Unterstützung von deinem Mann. Ein Grund, bei allem dankbar zu sein. Führe dir das Positive an deinem Leben vor Augen.
Ich bin sicher, du findest deinen Weg, geh einfach Schritt vor Schritt, am besten mit geschlossenen Augen, tastend vorwärts. Dann ergibt sich ein Schritt aus dem anderen, es geht immer weiter. Schicksal annehmen, nicht dagegen stemmen.
Ich hoffe, dir ein wenig geholfen zu haben, einfach im Anteil-Nehmen und wünsche dir und deinem Mann ein schönes Spätsommerwochenende, ich glaube, das Wetter ist überall gut.
Mit ganz lieben Grüßen :butterfly:Claudia:butterfly: