11.12.2016
12:09 Uhrbearbeitet:
11.12.2016
12:16 Uhr
Hi Mathilda,
das, was ich jetzt schreibe, war lediglich [b]mein [/b]Weg zum Rauchausstieg. Vielleicht sind davon aber ein paar Mosaiksteinchen für [b]Deinen [/b]Weg, den Du natürlich selber finden und gestalten wirst, verwendbar. Ich bin so vorgegangen:
1. Ich änderte zunächst an meinem Rauchverhalten bis zum Punkt 6 überhaupt nichts.
2. Ca. 6 Wochen vor meinem Rauchstopptag (der stand da aber noch längst nicht fest) habe ich mir die Broschüre "Ja, ich werde rauchfrei" hier auf dieser website heruntergeladen. Ich begann, sie Abschnitt für Abschnitt, stets in Ruhe aber konzentriert, durchzulesen ... ja, wirklich [i]durchzuarbeiten[/i]. Das dauerte so etwa 10 Tage.
3. Sich dann erstmal etwas mit dem Thema Sucht (Suchtgedächnis etc.) an sich zu befassen, ist sehr empfehlenswert - konnte ich mir aber aus vorgeschichtlichen Gründen sparen. Die folgenden Tage habe ich mich etwas mit der Wirkungsweise speziell des Nikotins im Gehirn befasst. Ein minimales Grundverständnis hierüber zu haben, hat sich zur Bewältigung der Suchtdruck-Attacken während meines Entzuges als „lebensrettend“ erwiesen. In groben Zügen zu wissen, was sich da gerade während einer Attacke in einem abspielt hilft ungemein, besser damit umgehen und standhaft bleiben zu können.
4. Danach habe ich mir Gedanken über meinen Rauchstopp-Tag gemacht. Wie und wann diesen gestalten ? Für mich war klar: ich musste den Stopp außerhalb meines alltäglichen „Hamsterrades“, außerhalb meiner gewohnten Umgebung, weit weg von meinen gewohnten Rauchstationen und Rauchsituationen angehen. Ich wollte aber auch, dass mir dieser Stopp-Tag als etwas Besonderes, etwas ganz Außergewöhnliches, ja irgendwie auch als etwas Schönes in Erinnerung bleibt. Klar war, dass dieser Tag durchgeplant sein muss. Keine Minute ohne Plan. Keine Minute, um aus Langeweile zu rauchen.
5. Ich legte den Rauchstopp-Tag - 3 Wochen in die Zukunft- auf Samstag, den 5.11.16., machte aber gleich ein Rauchstopp-Wochenende (Fr. 4.11. bis So. 6.11.) daraus, weil das schon allein zeitlich nicht anders möglich gewesen wäre. Denn ich wollte in die bayerischen Berge. Ich buchte die Bahnfahrt, das Hotel für 2 Nächte und machte mir einen Ablaufplan für diese 2 ½ Tage. Das sah dann etwas überspitzt ausgedrückt so aus wie ein Stundenplan eines Ganztagsschülers. Ich spickte die Zeit mit Aktivitäten / Unternehmungen, die möglichst an der frischen Luft stattfinden, nicht alltäglich für mich sind aber mir auch Freude machen. So etwa 2 Wochen vorher war also alles gebucht und mein „Ablaufplan“ stand.
6. Die noch verbleibenden 14 Tage lotete ich aus, welche meiner 20-25 täglichen Zigaretten eigentlich auch – mit etwas bewusstem Herangehen – weggelassen werden können und welche letztendlich „unverhandelbar“ waren. Ich fing also an, täglich 1 – 2 der „Langeweile“- oder „Gewohnheits“-Zigis (= Ergebnis meines Rauchprotokolls aus der Broschüre, siehe oben Pkt. 2) bewusst wegzulassen … und durch bereits überlegte Alternativen (= Ergebnis meines Durcharbeitens der Broschüre, siehe ebenfalls oben Pkt. 2) zu ersetzen. [b]Bitte nicht missverstehen: das war [u]kein[/u] Versuch, dauerhaft kontrolliert zu rauchen [/b][i][/i](das klappt nicht!). Es war nur ein Ausloten, ein Herantasten an die zu erwartenden Entzugs-Intervalle und deren Intensität; und natürlich ein Austesten, ob und in wie weit meine Alternativen in diesen Momenten auch greifen.
7. Am Tag vor meiner Abreise war ich also bei 7 Zigaretten. Die mussten sein, darunter ging nix ohne starker Entzugssymtome. [b]Und das Wichtigste: Ich checkte nochmal ab, ob ich innerlich wirklich zu 100% bereit für mein Vorhaben bin [/b](wären auch nur 99%-Ja dabei herausgekommen, hätte ich die ganze Sache ohne schlechtem Gewissen vertagt, denn für das Stoppen der Sucht sind m. E. 100% das erforderliche "Minimum" :roll:).
Auf diesem Level und mit meinem Ablaufplan fuhr ich also in die Berge.
8. Mein Plan für den eigentlichen Ausstiegstag 5.11. sah vor, mit der Gondel auf 2.100 m Höhe zu fahren, dort oben eine Zeit lang die Ruhe der Berge und die tolle Aussicht zu genießen, danach Feuerzeug und Kippen wegzuwerfen und dann den 10 km langen Abstieg ins Tal anzutreten. Und genau so habe ich es gemacht.
9. Am Sonntag, 6.11. kam ich abends gegen 20 Uhr als „trockener“ Raucher nach Hause … und bin es immer noch.
Der anhaltende psychologische Effekt, den mein außergewöhnliches Wochenende mit sich brachte …
[i]„Hey, Du planst ewig rum, legst 'ne Menge Kohle auf den Tisch, fährst in die Alpen, schipperst auf 'nen Berg rauf, nur um dort Deine letzten Zigis wegzuwerfen, latscht dann den halben Tag lang bergab, hast tagelang Muskelkater wie S.. … alles, um Dich vom Rauchen zu trennen! Das alles wäre umsonst gewesen, wenn Du jetzt einen einzigen Zug machen würdest ! BÖRNI, WIE BLÖD WILLST DU SEIN ?“[/i]
… war besonders in den ersten harten Tagen der Abstinenz mein wichtigstes Abwehrschild gegen die Sucht. Er ist es aber immer noch und wird es auch bleiben ...
Liebe Grüße und alles gute auf Deinem Weg in die Rauchfreiheit,
Börni