06.01.2026
20:35 Uhrbearbeitet:
06.01.2026
21:38 Uhr
Mein liebes Rauchfreitagebuch,
anknüpfend meiner Gewohnheit in meiner alten guten Stube „Ich gehe das jetzt an“ möchte ich auch hier das Führen eines Tagebuchs als Stilmittel meiner Reflektionen zum Thema Rauchausstieg etablieren. Das hat mir seinerzeit, als ich dann schliesslich über 6 Jahre rauchfrei war, sehr sehr geholfen. Dies, und natürlich der Austausch hier, in diesem wundervollen Forumshausen mit den vielen feinen Bewohnern und Bewohnerinnen.
Nun stehen da schon 6 Tage Rauchfrei in meinem Zähler und ich bin auch ein kleines bisschen stolz auf mich.
Irgendwie völlig verrückt eigentlich. Und im Grunde auch völlig ungeplant. Am 30.12.25 wollte ich eigentlich meinen Rauchfreizähler noch etwas nach vorne schieben, denn so ganz bereit fühlte ich mich noch nicht, um wirklich aufzuhören. Das Datum liess sich aber nicht vorstellen, denn das neue Jahr war nicht auswählbar. Sollte ich also Rauchfrei bleiben, war die Technik schuld daran ?.
Erst dann am Abend des Neujahrstages stellte ich plötzlich erstaunt fest, dass ich an diesem Tag noch gar nicht geraucht hatte ?. Dazu muss ich erklären, dass ich am Wochenende eh kaum geraucht hatte. Nur innerhalb der Woche waren es maximal drei Zichten am Tag, selten auch Mal bis zu fünf. Oder nur eine - die dann allerdings immer nach dem Essen am Abend angezündet wurde. So liess ich die eine eben am 01.01. auch weg und der erste Tag war geschafft. Und das ganze wiederholte sich die Tage darauf einfach ?.
Am Montag dann, mein erster Tag im Betrieb. Und dort: Gleich eine Riesenkrach mit dem Gesellschafter! Er meinte, sich in meine Planung einmischen zu müssen - in einem Bereich, in dem er so viel Ahnung hat, wie wie ein Fisch vom Bergsteigen. Wenn mich eins wirklich wirklich nervt, dann ist es dieses ewige Micromanagement... Und das auch noch vor meinem ersten Kaffee ?.
Als er dann eingeschnappt davonzog, war mein erster Gedanke: „Wen kann ich hier anschnorren?“ Denn den Rest Taback, den ich noch übrig habe, hatte ich bewusst zu Hause gelassen. Kaum gedacht sagte der Klicker in mir: „Nö, lass sein, das ist eh nur die Gewohnheit. Schmacht hast du doch eigentlich gar nicht!“ Und der andere Klicker in mir fühlte nach. Und: Es stimmte!!! Ich liebe es, mich selbst in meinen Gedanken zu beobachten, das ist manchmal saukomisch. Aber wer kennt das nicht?
Und doch fühlt sich für mich das ganze gerade etwas surreal an. Es ist anders. Anders als in 2018. Geändert haben sich, seit dem ich nicht mehr rauchte, auch meine Umstände im RL. Verantwortung und sehr viel, stetig steigender beruflicher Stress haben zugenommen. Die Weltenlage aktuell macht es zu alledem nicht einfacher oder besser. Das klingt eigentlich nicht erstrebenswert. Allerdings: Mein Rauchausstieg damals hat mir viele grossartige Erkenntnisse beschert - über mich. Angefangen mit der wichtigsten Erkenntnis, dass ich mit dem Rauchausstieg allein für mich Verantwortung übernommen hatte und in Folge dessen, dass es auch in anderen Bereichen - im privaten und beruflichen Umfeld zu wunderbaren Veränderungen kam die ich neben allem anderen meinem veränderten Bewusstsein und meiner neuen Wahrnehmung zuschreibe. Das Resilienzpolster, dass ich damit und somit aufgebaut habe, ist dann nur leider zuletzt nicht so mitgewachsen und im Juni 2024 hat sich die Sucht dann doch wieder spürbar an mich gekrallt. Darüber ärgere ich mich nicht wirklich. Eher bin ich fasziniert davon - so rückwirkend darauf geschaut. Es erdet. Wenn auch auf echt blöde Art.
Ich muss oft daran denken, wie unser lieber (und jetziger) Rauchfreilotse Paul, damals in seinem Ausstieg gestolpert ist und in Folge dessen wieder mit dem Laster angefangen hat, so wie ich eben im Juni 24. Das kann jedem passieren. Damals (und so hilfreich wie heute auch) schrieb er in seiner wundervollen Art sich auszudrücken davon, dass die Sucht niemals loslässt. Einmal Raucher, immer Raucher - so sinngemmäss. Ich hatte das damals nie so ganz fassen können. Nun habe ich es selbst erlebt. Es stimmt. Es schult. Es mahnt.
Nur für's Protokoll: Neben dem Verzicht auf Zigaretten, verzichte ich zudem aktuell komplett auf den Konsum von Social-Media. Und Alkohol. Nachrichten konsumiere ich reduziert und ausgewählt. Der mediale Konsum war in den vergangenen Wochen schon bedenklich exzessiv.
Stattdessen höre ich jetzt viel Musik, zu Hause und im Betrieb. Ich konzentriere mich wieder mehr auf mein Gegenüber und schenke uns die Zeit, die dieses Aufeinandertreffen eben gerade benötigt gerne. Ich achte darauf, dass es zu keinem Gehetze mehr kommt und beschäftige mich nur mit einer Sache und nicht mit mehren gleichzeitig (okay, hier muss im beiden Belangen noch etwas Disziplin etablieren ?). Aber: Dafür halte ich meine Pausen ein! Ich möchte weg, von diesem Workaholic-Dasein und der 50- bis 60-Stundenwoche. Nach Jahren im Vollgasmodus möchte ich die Bremsen Mal wieder austesten.
Alles Liebe,
Klicker