Liebe Stephie,
in das Horn kann ich nur tuten: Ein Ausrutscher ist keine Schande. Es ist ein Lernprozess auf Deinem Weg in die dauerhafte Rauchfreiheit. Woran lag es, daß Du losgezogen bist? Gab`s einen Auslöser oder hat Dir ganz einfach der Schmachtteufel zu arg zugesetzt?
Kann ich Dir vielleicht zwei Denkweisen anbieten, die es Dir vielleicht leichter machen, dem zu begegnen (außer natürlich den bereits angebotenen Notfallstrategien, Atemübung, Ablenkung, Motivationskärtchen, all das ist superhilfreich)?
Einerseits wäre da der Ansatz, daß Du bei Schmacht nur gegen diesen einen Schmachter jetzt angehst. Dir nur sagst, nein, jetzt rauche ich nicht. Nur diesen Moment jetzt gilt es auszusitzen. Du entgegnest dem Gelüst also nicht "nein, ich will doch das Rauchen aufhören", das ist vielleicht in dem Moment zu hoch gegriffen. Sondern Du entgegnest ihm nur "nein danke, ich will jetzt nicht rauchen". Denn: Du gehst jeden Weg, egal ob Berufsweg, Heimweg, Lebensweg oder Wanderweg auch nur Schritt für Schritt. Da denkst Du nicht an das große Ganze, das wäre auch zu unüberschaubar. Und vielleicht ein wenig beängstigend. Aber einen Schritt, und sei er noch so schwer, noch so eine hohe Stufe, schafft man immer. Also warum Dich mit dem ganzen Entzug auf einmal verschrecken, wenn Dich die Schmacht plagt. Bewältige nur den Schmachter - Du weißt, der geht wieder weg, und dann bist Du schon einen Schritt weiter. Schau nicht nach oben nach dem ganzen Riesenberg, sondern schau auf den nächsten Schritt. Vielleicht hast Du so eine Strategie auch im Oktober gefahren, fiel es Dir deshalb womöglich leichter?
Und zweitens: Versuche doch mal nicht, Deine Sucht zu bekämpfen. Das kannst Du nicht, dazu ist sie zu stark. In dem Moment wo Du kämpfst, hat sie Dir immer noch ein Argument entgegenzusetzen. Geh einfach mal davon aus, wir sind und bleiben alle süchtig, das ist eine Tatsache. Das bekommen wir auch nicht mehr aus den Knochen, es ist Teil unserer Erfahrung, unseres Lebensweges. Akzeptiere es. Und akzeptiere gleichzeitig die Schmachter in der Entwöhnung, denn die brauchst Du, um die Sucht zu schwächen und schließlich in Schach zu halten. Du brauchst sie, weil jeder Schmachter, den Du aussitzt, Dich stärkt und die Sucht schwächt. Also laß sie kommen - und sitze sie aus. Und sage Dir dabei, hinterher habe ich einen Etappensieg errungen! Ich bin gerade dabei zu gewinnen. Dann sind sie vielleicht auch leichter erträglich.
Was meinst Du, ist bei diesen Denkansätzen irgendwas dabei, was Du für Dich annehmen könntest?
Und nochwas: Ich freu mich schon, wenn Du wieder losläufst, das Forum ist auf jeden Fall wieder dabei, wenn Du wünschst! Also komm wieder mit uns mit, bist weiterhin herzlich eingeladen. Und sollte Dir auf dem Weg dann nochmal ein Stolperer passieren - was würde Dich denn dann davon abhalten, sofort wieder weiterzumachen it dem Aufhören? Nur wenn Du stolperst, heißt doch das noch lange nicht, daß das Aufhören damit beendet ist! Dann stehst Du wieder auf, klopfst Dir den Staub ab, überlegst, wie das jetzt passieren konnte und wie Du das beim nächsten Auftreten umschiffen kannst, hörst aber immer noch auf. Und den Rauchfrei-Weg dann unmittelbar wieder weiter zu beschreiten bedeutet auch nicht, von vorne anfangen. Bringt Dich diese Idee für die nächste Runde vielleicht mal ein Schritt weiter?
Mach Deinen Frieden Stephie, es ist so vielen hier passiert, daß sie im Entzug ausgeglitten sind. Das ist nicht das Ende der Entwöhnung! Nimm unsere Hand und komm wieder mit uns mit. Viele Grüße,
Lydia