[quote="roxy"]
Ich habe heute noch etwas hier im Forum gelesen, und ein Aspekt ist mir dabei aufgefallen: die von vielen verspürte Notwendigkeit, das Rauchen zu verteufeln. Das habe ich nicht getan, und ich empfinde auch nicht die Notwendigkeit.
Ich hätte nicht aufgehört, wenn ich nicht ehrlich zu mir hätte sagen können, dass ich das möchte, wenn in mir ein Stimmlein geflüstert hätte: Also eigentlich... Aber die Ehrlichkeit gebietet es, daran zu denken, dass das Rauchen seine angenehmen, positiven Seiten hatte (und nun nicht mehr hat).
Shakespeare schreibt: The prince of darkness is a gentleman, und damit hat er recht. Das Falsche, das Böse ist nicht verführerisch, wenn es nur falsch und nur böse ist. Dem zu widerstehen wäre einfach. Es sind die angenehmen Seiten, die das Böse gefährlich machen, und die uns an der Weggabelung zögern lassen. Wenn ich ehrlich bin, dann erinnere ich mich gerne an angenehme, entspannte Momente, in denen der Augenblick nur mir gehörte und ich ihn mit einer blauen Wolke teilte. Ich brauche das nicht mehr - unmerklich hatte sich dieser Entschluss über einen längeren Zeitraum hinweg vorbereitet.
Ich möchte nicht einen Teil meines Lebens undifferenziert verteufeln, auch wenn ich die Entscheidung für das Rauchen heute für falsch halte. Damals war sie (aus vielerlei Gründen) richtig, man wird eben klüger. Ich verstehe, dass andere ganz andere Erfahrungen machen. Jedoch glaube ich, mit meiner Erinnerung an die angenehmen Seiten des Rauchens nicht allein zu sein.
Wertungen ändern sich. In fünf Jahren werden Menschen mit dem Teufel Zucker kämpfen und versuchen, gummibärchenabstinent zu leben. In zehn Jahren wird das gleiche mit Kaffee geschehen. Dann werden wir wieder klüger sein.
Man verteufele nicht sein bisheriges Leben. Man gestehe sich zu, dass man dazulernt. Man gestatte sich Gelassenheit und, wenn es gut läuft, Humor. Mir hat dieser Gedanke geholfen.
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Hallo roxy,
mir gefallen deine Gedanken, vor allem der Aspekt, nicht undifferenziert einen Teil seines Lebens zu verteufeln...
Möglicherweise hast du recht und sicher erhalte ich mir mein Selbstwertgefühl, wenn ich die vielen Jahrzehnte, die ich rauchend verbracht habe mit Nachsicht und nicht nur negativ betrachten kann. Aber ich denke, dass es für die meisten "Aussteigewilligen" die einzige Möglichkeit ist, das Rauchen aus ihrem Leben zu verbannen, indem sie es [i]verteufeln[/i] und sehr objektiv als das betrachten, was es ist: Eine schlimme und krankmachende Sucht!
Und glaube mir, dieses "Stimmchen", es ist da oder es kommt und es flüstert dir:[color=red] [i]Also eigentlich....[/i]
[/color][i][/i]
Vielleicht bleibst du ja wirklich davon verschont, das wäre super. Aber nicht jeder hat das Glück, den Entzug so entspannt zu erleben.
Sicher verbindet man viele positive Ereignisse und emotionale Momente mit der[i] "guten, einem immer und überall beistehenden Begleiterin und Freundin"[/i], aber das ist es ja nicht allein und das wissen wir doch auch!
Also müssen wir, oder zumindest die meisten, kämpfen. Dagegen! Gegen das Stimmchen und gegen die ach so angenehme Wirkung und gegen das Verlangen....
Das gelingt aber nicht, wenn wir uns nicht immer wieder verstärkt das Teuflische dieser Sucht vor Augen führen!
Und dennoch: [color=blue]"Man verteufele nicht sein bisheriges Leben. Man gestehe sich zu, dass man dazulernt. Man gestatte sich Gelassenheit und, wenn es gut läuft, Humor...":wink:
[/color]
Ich wünsche dir, dass dein Ausstieg weiterhin so gut verläuft und wünsche dir alles Gute!
LG Nati :)