Hallo Gravity,
herzlich willkommen, ich freu mich, daß wir Dich hier begrüßen dürfen! Na ich hoffe doch, Du kannst Dich hier in Deinem Wohnzimmer ein wenig häuslich einrichten und Dich etwas zu Hause fühlen. Zumindest wohnst Du hier in einem Haus mit vielen Gleichgesinnten, die Deine Befindlichkeiten verstehen und Dich da ein bißchen auf Deinem Weg begleiten können. Deshalb hoffe ich, Du bewirtschaftest Dein Wohnzimmer, so lange Du es brauchst und möchtest.
Bitte mach Dir keine schlechten Gedanken, daß Dich Dein letzter Ausstieg noch nicht in die dauerhafte Rauchfreiheit geführt hat. Es gibt kaum einen Aufhörer, der diese direkt ohne Zwischenstopp und im ersten Durchgang erreicht hat! Das liegt daran, daß da zu viele Finten versteckt sind, zu viele Erfahrungen gemacht werden müssen, schwer, das im ersten Durchganz zu schaffen. Du hast nun die Erfahrung gemacht, daß Du Dich nicht von dem Gedanken "eine geht schon mal" verleiten lassen darfst (das ist übrigens genau die Erfahrung, welche die anderen von uns Aufhörern auch machen mußten, die mehrmals losmarschiert sind, also da bist Du nicht allein mit!) - und war weder während der Entwöhnung, in der Du Dich 6 Wochen nach dem Ausstieg noch befandest, noch danach. Die gute Nachricht ist aber, daß es danach keine Schwierigkeit mehr ist, nur noch eine Frage der Achtsamkeit. (Die mir z. B. gefehlt hat, ich bin Jahre nach dem ersten Ausstieg auf den Gedanken reingefallen, daß eine schon mal ginge...) Jetzt wissen wir es besser, richtig?
Ich finde es auch sehr verantwortungsbewußt von Dir, daß Du auch an Deine Tochter denkst, wenn Du den Rauchausstieg betrachtest. Mit 13 braucht sie die Mama schon noch eine Zeit lang in bester Verfassung, und da ist es gut, wenn Du das auch so siehst. Aber der Rauchstopp leistet ja auch was für Dich! Ich weiß schon, die Einlassung, gerne zu rauchen, hätte von jedem von uns stammen können. Aber schau, Du willst ja aufhören: warum? Artikuliere doch für Dich mal Deine Motive, Deine Ziele und das, was Deiner Meinung nach dabei für Dich rausspringt. Was steht für Dich im Vordergrund: Gesundheit? Ersparnis? Attraktivität? Freiheit? Sicherheit?
Daß Du Dir Deines Ausstieges unsicher bist, ist tatsächlich ein Umstand, den Du der Sucht zu verdanken hast. Sie schafft es kurioserweise, unseren Willen, unsere Motive und unser Tun infrage zu stellen, wenn es darum geht, ihr an den Kragen zu gehen. Suggeriert dem Aufhörer, daß es viel angenehmer ist zu rauchen, daß es streßfreier ist, daß wir es gern mögen und uns möglichen Unannehmlichkeiten während eines Entzuges doch eigentlich gar nicht aussetzen wollen. Und überbügelt damit unseren eigenen Willen. Dabei ist die Kernaussage Deines Posts für mich:
Ja, ich möchte aufhören zu rauchen.
Alles andere ist nicht Dein Wunsch, sondern der der Sucht.
Was hat Dir denn beim letzten Mal geholfen, nicht zu rauchen? Hattest Du bestimmte Ablenkungsmanöver? Was war da dabei, was Du nun wieder für Dich nutzen könntest? Deine Einlassung, jeder Tag ohne Rauch ist ein guter Tag, unterschreibe ich völlig - und die könntest Du auch im Entzug nutzen: Nimm Dir doch einfach nur jeweils den Tag vor. Heute rauche ich nicht. Und mach Dir weiter noch gar keine Gedanken. Heute rauche ich nicht: das ist doch zu schaffen, richig? Das ist nicht so unüberschaubar wie dieses "nie wieder", mit dem Du Dich ohnehin noch nicht so ganz identifizieren kannst. Mußt Du ja auch gar nicht: Heute rauche ich nicht. Das ist machbar. Stimmt's Gravity? Kannst Du mir dieser Denkweise arbeiten?
Ach, und wenn Du Romane schreiben möchtest, dann tu es! Manchen Aufhörern hilft es, das Thema Rauchen so weit wie möglich auszuklammern während der Entwöhnung, aber andere brauchen ganz genau die Auseinandersetzung damit, um sich davon abzunabeln. Wenn Du zu dieser Sorte Aufhörer gehörst, dann zelebriere diese Auseinandersetzung hier ruhig. Ich habe da auch dazu gehört (und schreibe immer noch mitunter Romane :P), und bei mir hat es ja auch geklappt. Versuche es also diese Mal ruhig schreibend! Es ist auch eigentlich immer jemand hier, der drauf einsteigen kann.
Ich wünsche Dir jetzt gutes Gelingen bei Deinem Rauchausstieg, und wenn Du Fragen hast oder Befindlichkeiten verspürst, dann immer her damit. Laß wieder von Dir hören! Bis dahin grüßt Dich
Lydia