Hallo ihr Lieben,
fast 5 Monate nach Tag X, melde ich mich mal wieder hier im Forum. Nachdem der erste,zweite Monat geschafft war, hatte ich mir eigentlich vorgenommen, jeden Monat zu dokumentieren... Und was war da los am 4monatigen Jubiläum? Ja, nix! Und das ist vielleicht schon Dokumentation genug, denn... ja, klar ich hab an das Forum gedacht, ich hab mich auch über meinen Erfolg gefreut (ganz kurz einmal mitten am Tag, als es mir einfiel) und dann kam der Alltag dazwischen ;)
Alltag? Ja, sowas gibt es auch als Nicht-Mehr-Raucher irgendwann wieder und es dauert gar nicht so lange, wenn man erstmal beschäftigt genug ist.
[i]edit:da fällt mir auf, dass ja auch der dritte Monat schon unter den Tisch fiel. Dennoch: bezeichnend, wie ich finde.[/i]
[b][u]Nach 5 Monaten[/u][/b]
Gern würde ich jetzt schreiben, wie super es mir geht als Nichtraucher, dass überall nur bunte Blümchen wachsen und die Welt in rosa Wattebällchen gepackt ist. Was haben wir da alles verpasst, als Raucher! :D
Aber ehrlich gesagt: die Welt ist ganz normal. Nix rosa, nix Watte. Aber verpasst habe ich doch einiges als Raucher!
[b]Das intensivste, beeindruckendste Erlebniss[/b] der letzen 2 Monate passierte an dem Morgen, als ich verschlafen hatte: Ein Blick auf die Uhr verriet mir "Noch 3 Minuten bis der Bus kommt". Noch etwas verwirrt, mit Schlitzaugen forderte ich mich selbst heraus "Das schaff ich noch!" und los ging's, im Dauerlauf. Tja, was soll ich sagen: ich hab den Bus noch geschafft.
Als Raucher aber wäre der komplette Vormittag hin gewesen. Erst hätte ich sehr lange gebraucht, um wieder zu Atem zu kommen und bis der Druck auf der Brust nachlässt. Dann hätte ich darüber geflucht, dass ich zum Bus rennen musste und nicht mal Zeit für ne Kippe hatte. Den Rest des Vormittages hätte ich wahrscheinlich allen Leuten davon erzählt, wie sch**** mein Tag schon angefangen hat und dass das heut nix mehr werden kann...
So, war ich total überrascht, wie schnell ich bei der Haltestelle sein kann, dass mir ein derartiger Dauerlauf überhaupt nix ausmacht und dass anstrengender Bewegung in Zukunft nichts mehr im Wege steht, ausser meiner Faulheit! ;) Der Tag fing super an, weil ich mich so sehr darüber gefreut hatte, auch nach vielen Wochen nochmal überraschend belohnt zu werden für meinen Ausstieg.
Ich schlaf jetzt häufiger ein bisschen länger. Ich weiß ja, wie schnell ich zum Bus komme...
[b]Was mir in der letzten Zeit sehr geholfen hat[/b], ist auf jedenfall die Unterstützung aus meinem Umfeld. Es ist wichtiger denn je geworden, dass ich gleich zu Anfang [u]allen gesagt habe, dass ich aufhören will.[/u] Nun werden die Fragen immer häufiger und [u]das positive Feedback[/u] somit natürlich auch. Zudem habe ich eine Freundin, die zeitgleich auch aufgehört hat. Sie hat zum Glück ebenso durchgehalten. Ich finde es sehr wichtig, von Zeit zu Zeit [u]mit jemanden reden[/u] zu können, der die gleichen Erfahrungen macht.
[b]Und nun noch ein kleiner Schock zum Schluß:[/b]
Ich habe tatsächlich, irgendwo im Monat drei oder vier, an einem alkoholgetränkten Abend an einer Zigarette gezogen. Das euch zu erzählen, ist für mich ganz wichtig, denn ich hatte lange Zeit (manchmal auch heute noch) furchtbare Alpträume - Immer habe ich geträumt, wieder rückfällig zu werden, was in meinem Traum ganz schrecklich war und immer damit zusammen hing, dass ich einen einzigen Zug machte.
In meiner Vorbereitung auf den Ausstieg ging es mir immer sehr stark darum, Respekt zu haben vor den Dingern. Da ich schonmal versucht hatte aufzuhören, sagte ich mir "Ein einziger Zug und alles fängt wieder von vorne an." und "Wenn ich jetzt aufhöre, ist mein schlimmster Feind die Neugier, deshalb darf ich nie wieder eine Zigarette auch nur anfassen."
Diese Sätze waren in der ersten Zeit sehr wichtig für mich, sind aber irgendwann stark zur Last geworden. Nun möchte ich diese Last auch noch abschütteln, denn ich fühle mich mitlerweile gefestigt genug, den Kippen zu widerstehen, ohne Angst vor ihnen zu haben. Das hängt nicht zuletzt auch mit dem Zug zusammen, den ich dort genommen habe: Es war mit Abstand das ekelhafteste, dass ich je erlebt habe. Ich musste sofort heftig husten, mir ist furchtbar schwindelig geworden, ich musste mich setzen - mein Mund fühlte sich an, als hätte ich pure Asche gegessen.
Ja, es ist richtig: ein einziger Zug reicht, um die innere Grenze zu übertreten und nachgiebig und somit rückfällig zu werden. Für mich heißt es aber nun nicht mehr "...deshalb darf ich nie wieder eine Zigarette auch nur anfassen", sondern aus voller Überzeugung:
"...deshalb [b]will[/b] ich nie wieder eine Zigarette auch nur anfassen!"
Ich wünsche euch allen, die noch stark mit sich kämpfen, einen festen Willen und Durchhaltevermögen. Vertraut darauf, dass ihr das Richtige tut, es wird sich lohnen!
Allen alten Hasen und meinen Mitstreitern immer noch meinen größten Dank, für eure Unterstützung. Ohne diese wäre ich heute sicher nicht "hier".
Bis auf weiteres
noa