05.07.2019
17:03 Uhrbearbeitet:
05.07.2019
17:09 Uhr
Hallo Leute!
Ihr habt vermutlich nicht damit gerechnet, dass ich hier noch einmal reinschreiben werde und auch ich habe gedacht, ich werde vermutlich nie wieder in diesem Forum schreiben. Nicht weil ich euch nicht mag, aber die ganze Sache war mir etwas peinlich und nach den letzten 2-3 Wochen war das Thema Rauchstop eigentlich sehr weit weg von mir (auch auf anraten, sollte ich es erstmal beiseite legen). Es kam aber anders als ich dachte :D Die folgenden Texte und Posts werden sehr lang. Ich erwarte gar nicht dass ihr alles lest, aber mir hilft das schreiben darüber mich etwas abzulenken und vielleicht hilft es mir in dem ein oder anderen schwachen Moment. Wenn ihr nicht alles lesen wollt, sondern nur meine akuten Probleme/Schwierigkeiten, dann lest die letzten beiden Absätze :D
Die Idee kam dann am Mittwoch den 03.07 ganz spontan über mich, nachdem ich wieder etwas Panik wegen meiner Schulter/Brustschmerzen bekam. Ich rief mir die letzten Versuche in Erinnerung die aufgrund von Panik begangen und wollte die Idee schon beinahe zur Seite schieben, als ich mich an Monis Kommentar (den mit dem Morgens aufhören) erinnerte und ich es dieses mal ohne Druck versuchen wollte. Der Plan war, morgens ganz normal Rauchen und dann zur Arbeit keine Kippen mehr mitnehmen. Das Ganze scheiterte grandios nach 3-4 Stunden, weil ich morgens wohl instinktiv (ohne mir darüber bewusst zu sein) die Schachtel in meine Arbeitstasche packte. Nach dem Scheitern, wollte ich es zuhause in Ruhe nochmal versuchen. Ging auch wieder gut los, aber nach genau 3-4 Stunden hing ich wieder an einem Gedanken fest. Und zwar die Frage: ob ich wirklich aufhören will? Ich verneinte, zündete mir die Kippe an und rauchte los. Aber noch während dem Rauchen fragte ich mich, warum will ich nicht aufhören? wie kann ein rational denkender Mensch nicht aufhören wollen?
Ich begann zu begreifen. Nicht schlagartig aber langsam und stetig. Ich begriff, dass jeder Raucher auf der Welt und auch ich, mit dem Rauchen aufhören will. Wenn es eine Spritze gäbe, die mich sofort ohne Entzug/Konsequenzen zum Nichtraucher machen würde, würden 95% aller Raucher (inklusive mir) sie sofort nehmen. Also ist der Wille ja doch da, aber warum höre ich dann nicht auf? Warum glaube ich dann, dass mir genau das im Gegensatz zu all den anderen Ex Rauchern fehlt? Weil die Sucht es mir verbietet! Die Nikotinsucht sorgte dafür, dass ich jahrelang nie über die Folgen des Rauchens nachgedacht habe, weil sonst könnte die Angst vor den Krankheiten ja größer werden als die Angst vor dem Aufhören/Entzug. Das ist so clever von der Sucht! Die Sucht verdrängt den eigenen Willen, die eigenen Ängste! Erst als mir das bewusst geworden ist, drückte ich die angefangene Rückfallzigarette wieder aus und hörte auf!
Ich gebe zu, die ersten 5 Stunden waren wie immer hart. Mein Kopf war ok, meine Argumente zurechtgelegt, aber die Schmacht war trotzdem da. Ich habe auf jede Ausrede, auf jeden Schmachter, auf jede Entzugserscheinung ein Argument in meinem Kopf zurecht gelegt, welches mir logisch klar macht warum ich jetzt trtozdem keine anzünde! Z.b. Wenn ich kurz davor bin mir neue zu kaufen, stell ich mir folgende Frage: Leben oder Sterben? Ich weiß dass die eine mich nicht umbringen wird, aber ich vergleiche das gerne mit Dominosteinen. Diese Eine Kippe, die mich jetzt wieder zum Rauchen führt, ist dafür mitverantwortlich, wenn bald etwas schlimmes passieren sollte! Kurz vor dem Schlafen war ich aber schon mächtig stolz, mein Kopf war zwar Matsche und ich hatte keine Ahnung wie ich so einschlafen sollte, aber ich war schon stolz überhaupt 5 Stunden durchgehalten zu haben und nach dem Aufstehen dann fast 12 Stunden!
Der zweite Tag (obwohl in wirklichkeit nur die Stunden 12-30, wobei das mir völlig wurst ist) war psychisch sehr
anstrengend. Ich bin aufgewacht und hab morgens gut durchgehalten. Aber ich habe fast jede Minute, jede Sekunde immer ans Rauchen gedacht. Selbst wenn ich nicht daran gedacht habe, jetzt eine zu rauchen, dachte ich ans Aufhören oder an weitere Argumente. Das ganze schlauchte natürlich ziemlich. Ich fing ständig an zu heulen. Es hat mich richtig erwischt. Als ich meine Mutter besuchte (die auch raucht) und sie am Tisch rauchen sah, sah ich sie in einem anderen Licht. Nicht als jemand glückliches der da sitzt und nur eine rauchen will zum Entspannen, sondern als eine Art Junkie, der gerade nur versucht seine Sucht zu befriedigen und seine Probleme verdrängt. Es überkam mich aus dem nichts heraus und erwischte mich stundenlang. Dieser Tag war einfach nur zum vergessen, was wahrscheinlich auch der Grund ist warum ich das hier alles so detailliert und genau beschreibe, um irgendwie Zeit totzuschlagen.
Ich denke ständig nur ans Rauchen, muss bis zu 7-8 mal am Tag heulen aus irgendwelchen Gründen und kann mich absolut 0 ablenken. Während ich früher stundenlang im Internet surfen konnte oder irgendwelche Spiele spielen konnte, kann ich das alles ohne Kippe nicht. Ich lande mit meinen Gedanken eh wieder bei Kippen und die Ablenkung ist nach 5 Minuten vorbei. Das alles hat mich so hart mitgenommen, dass ich eben sogar im Sitzen eingepennt bin vor Erschöpfung glaube ich. Das Einzige was mich positiv stimmt und was mich überhaupt dabei hält, ist dass die Option "Ach jetzt rauch wieder" existiert in meinem Kopf irgendwie nicht mehr! Ich bin an einem Punkt, an dem kann ich nicht wieder einfach anfangen. Ich kanns nicht erklären. Liegt auf der rationalen Ebene natürlich an meinen Argumenten aber irgendwie ist in meinem Kopf jetzt so ne Sicherung/Blockade/Klick die den Gedanken ans wieder anfangen zu rauchen kategorisch abblockt.
Puh, was ein langer Text. Ich habe den ganzen Tag über hier dran geschrieben. Mal 10min, mal 20min, alles
wieder gelöscht, dann wieder neu angefangen. Ich hab jetzt gar keine direkten Fragen an euch, weil ich weiß
dass ich das alleine durchstehen muss aber ich mache mir Sorgen wo ihr mir vielleicht helfen könnt. Ich hab einfach Sorge, dass diese momentane geistige Überleegenheit gegenüber der Sucht irgendwann (vor allem nach dem aufstehen irgendwann) nachlässt. Das irgendwann wieder ein schwacher Moment kommt und meine Überlegenheit anfängt zu bröckeln....Und als nächstes natürlich die Sorge, was ist wenn der körperliche Entzug länger anhält als gedacht(3-4Tage)? Was wenn ich in einer Woche immernoch so kämpfen muss? Immer noch ständig anfange zu heulen? Warum muss ich überhaupt ständig heulen? Wie soll ich diese geistige Stärke die mich momentan oben hält, aber schon so viel Kraft kostet, beibehalten wenn es nicht besser wird?
Euer Nino