Aloha Rolf,
Danke der Nachfrage nach meinem Wohlbefinden.
Auch heute poste ich mein Elaborat aus dem Julizug als Kopie hier rein - evtl. stolpert ja noch jemand über meine persönlichen Erfahrungen und kann daraus im Idealfall etwas für sich nehmen.
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48h - oder anders gesagt Tag 2
Auch der heutige Tag war hart - interessanter Weise aber auf eine andere Art als der gestrige. Keine einzige Zigarette geraucht, aber vor dem Schmacht erfolgreich davon gelaufen.
Wovor ich mich regelrecht gefürchtet habe war der Morgen. Warum auch immer ging das erstaunlich gut. Hierbei sei noch erwähnt, daß meine Gefährtin weiterhin raucht (allerdings nur morgens 3-4 St.). Ich hab sie auch gebeten dahingehend keine Rücksicht auf mich zu nehmen - Hintergrund ist schlicht und ergreifend, daß ich durch dieses Höllental durch muss und es mir relativ wenig nutzt, wenn das in einer „gefakten“ Umgebung passiert. Dass sie geraucht hat, hat mich nur sehr wenig gestört - aber Aschenbecher ist für mich nur schwer auszuhalten. Hier liegt auch tatsächlich den ganzen Tag ein Pack Tabak rum - für mich ist das irgendwie sogar Ansporn NICHT nachzugeben.
Bei mir war heute die Mittagszeit und der frühe Nachmittag sehr, sehr heftig. Da war ich haarscharf dran, wieder EINE zu rauchen - gsd war mein rationaler Teil des Hirnes so stark, daß er das Suchtzentrum mit vorgehaltener Waffe dazu gezwungen hat sich in die Nähe des Trommelfelles zu begeben und bei weiterem Aufmucken mit Helene Fischer bedrohte. Auch wenn ich Grausamkeiten ansonsten verabscheue, so war das angebracht.
Weitere beobachtete Effekte - keinerlei Zittern, Schweißausbrüche oder sonstiges. Aber mein morgendliches Pilgern zum Sanitäraltar (Gerberit!!) blieb ohne Opfergabe. Schon erstaunlich wie sich Handlungsstränge verknüpfen - ist zwar ungewohnt, aber was solls. Mein Appetit ist sehr gering - ebenfalls erstaunlich.
Ich meine etwas gereizter als sonst zu sein und auch leichter entnervbar.
Auch wenn es eher unwahrscheinlich ist, so glaube ich, daß das Atmen leichter wird. Raucherhusten habe ich keinen - weder vorher noch jetzt. Weiterer positiver Effekt ist, daß es hier deutlich „frischere“ Luft gibt - selbstredend ist der Gestank noch in jeder Ritze. Klarer Plan
für die nahe Zukunft - frisch streichen!
Ich muss zugeben, daß mich der Entzug unheimlich anstrengt und ich mich sowohl physisch als auch psychisch regelrecht erschöpft fühle.
Kaugummis 4mg habe ich satte 14 St. gestern gebraucht. Heute könnte es vielleicht einer weniger werden. Wobei ich tatsächlich sagen muss, dass mir die Dinger helfen - vermutlich eine Mischung aus Ersatzdroge und der Handlung selbst aktiv etwas gegen diesen Dämon zu tun. Ich habe jedenfalls eingeplant noch länger diesen Notaus zu nutzen,
Mir erscheint die Sucht bildlich wie der berühmte Golem von 1920 wie er um die Ecke schleicht. Meine Bemühungen bzw. der elende Kampf erinnert mich an den Exorzisten :-)
Seid einstweilen solidarisch gegrüßt :-)