Liebes Ich-will-nicht-mehr-Rauchen-Tagebuch
[b]7. Tag[/b]
09:00 Uhr
[b]Zigaretten: KEINE[/b]
Kilo: *Immer noch KEIN KOMMENTAR*
[b]Nicht gut bis mittelmäßig[/b]
Und wieder sitze ich vor meinem PC mit meiner riesen Tasse Guten-Morgen-Kaffe und denke über den gestrigen Tag nach. Wie genau war mein Tag 6, ja, gute Frage.
Abgesehen davon, dass ich zum ersten mal das Gefühl hatte "ich schaffe das niemals" und mindestens 14 mal kurz davor war zum Kippenautomaten um die Ecke zu stürzen und mir in Gedanken schon ausgemalt habe, wie ich mir gierig eine anstecke irgendwo in einer dunklen Ecke und so dermaßen tief inhalieren werde, dass mir die Lunge womöglich um die Ohren fliegt (was gar nicht schlecht wäre).....ja dafür habe ich den Tag gut überstanden, indem ich [b]nicht [/b]zum Automaten gegangen bin.
Leider bin ich immer mehr davon überzeugt, dass ich das nicht hinbekomme. Auf der anderen Seite widerstrebt es jeder Faser in mir, mir diese Blöße zu geben diesen Kampf verloren zu haben. Einen Kampf gegen einen vermeindlich kleinen Gegner, den ich eigentlich wegpusten (im wahrsten Sinne des Wortes) müsste. Der mich eigentlich völlig kalt lassen müsste. Den ich jetzt eigentlich überhaupbt nicht mehr an mich ran lassen dürfte.
Ich hatte die Hoffnung, dass dieses Gefühl des Verzichtens und "nicht dürfens" und auch des "Verpassens" sich innerhalb der ersten Tage legen sollte, ich weiß nämlich nicht, ob ich die Power nochmal aufbringen kann, wie es damals war. Aber es erinnert mich immer mehr daran, auch wenn es diesmal in völlig abgschwächter Form passiert. Vorallem hat damals mein Leben von meiner Entscheidung abgehangen. Ja, es ist total abgeschwächt und trotzdem sehe ich mich nicht in der Lage mir zu sagen "kein Problem, das kriege ich hin".
Ich frage mich natürlich "Warum denke ich, ich kriege es nicht hin?".
- ist es vielleicht Angst, dass ich mir selbst, nackt, unverfälscht, menschlich und absolut echt gegenüberstehen werde? (Damals habe ich lange gebraucht, mich anzunehmen, länger als der ganze Entzug gedauert hat)
- ist es Schwäche, dass ich (vielleicht sogar nur einrede) glaube, nicht die Kraft aufbringen zu können schon wieder zu Verzichten, schon wieder etwas entbehren zu müssen, schon wieder nur um das zu erreichen so hart arbeiten zu müssen an mir?
- ist es Bequemlichkeit, dass ich denke "ich habe mit so vielem aufgehört, warum soll ich das deswegen schon wieder auf mich nehmen?"
- ist es das eingeredete Vertrauen in die Kippen, die mir ja trotzdem geholfen haben durch die richtig beschissene Zeit durchzukommen? Der letzte Strohhalm waren. Ein Vertrauen von dem ich aber auch weiß, dass es schon missbraucht wurde und es wieder missbraucht werden würde
- ist es die Erinnerung an damals und somit auch das Gefühl der Wiederholung, des immer Wiederkehrenden, dass mich so dermaßen abschreckt? Ich gebe zu, es kommen Bilder von damals hoch, die ich verdrängt und versucht hatte zu vergessen. Diese Bilder und Erinnerungen machen mich fertig und sorgen mit dafür, dass ich an mir selbst zweifel
- ist der der Wille, der so schnell von "ja, ich will" zu "nein, ich kann nicht" wechselt, der mich etwas durcheinanderbringt und mir die klare Linie nimmt?
- bin ich es selbst, die im Moment einfach nur nicht weiß, wohin mit sich selbst und die im Moment einfach nur die Sicherheit sucht?
Ich weiß, dass es eine Mischung aus dem ganzen ist und ich weiß auch, dass mein größtes Problem die Erinnerungen und Bilder an damals sind. Ich weiß nur momenteweise nicht ob ich mich volllaufen lassen, irgendwas ziehen, nehmen oder mich einfach nur aufschlitzen soll. Ich habe minutenweise das Gefühl zu explodieren und frage mich natürlich "ist es das wert?", "bin ich soweit?" und vorallem denke ich "nicht schon wieder".
Mein nächster Schritt besteht also darin, diese Erinnerungen und Bilder irgendwie wieder zu verbannen, weil sie alles nur schwerer machen, als es sein müsste. Ohne diese Assoziationen wäre es alles ertragbar und bestimmt auch für mich einfacher.
Ich musste mir ganz dringend vor Augen führen, was genau mein Problem ist, das habe ich glaube ich geschafft. Und ich denke und hoffe, dass sich jetzt etwas ändern wird für mich und ich wieder den Durchblick bekomme. Ja. Durchblick und Sicherheit ist immer eine gute Sache :)
Zusätzlich habe ich gestern abend den Chat besucht. Den Chat an sich finde ich eine klasse Sache, definitiv. Aber er kann auch ganz schön frustrierend sein. Nachdem der Chat vorbei war, lag ich erstmal fix und fertig im Bett und war mir mehr als sicher, dass es das jetzt war mit dem "Nichtrauchen". Ich gönne jedem einzelnen mit 600 easy days, 100 locker geschafft und so weiter, von Herzen diesen Erfolg, ich habe Respekt davor und freue mich für sie. Aber an einem Tag wie gestern sich das zu geben war ein Fehler, ein großer Fehler.
Ich nehme mir also für meinen Tag 7 vor, eine klare Sicht auf die Dinge zu bekommen und darüber nachzudenken, meine Höhle wieder zu verlassen, in die ich mich zurück gezogen habe. Zum Glück hatte ich meine "LeidensDeadLine" festgelegt, ab dem 10. Tag also ist Schluss mit schlechten Gedanken, die mich wirklich langsam nerven :oops:
Oh je, ich hoffe, der ist nicht schon wieder allzu frustrierend der Eintrag. Ich traue mich gar nicht den durchzulesen.....vielleicht später, besser ist das :)
Naja, das scheinen ja die "ganz normalen" Gedanken eines werdenden Nichtrauchers zu sein, wenn ich mich recht erinnere :wink:
Sooooo, dann werde ich mich mal an die Arbeit machen und so tun als wäre ich suuuuper klasse drauf und alles wäre locker und Easy !!!! (das kann ich gut :D )
Ganz liebe Grüße an alle!!