Hallo alle miteinander,
ich heiße Chrissi, habe zwei Kinder (19 u. 13 Jahre alt) und einen Nichtraucher als Mann. Ich rauche seit 30 Jahren (in Worten: D R E I ß I G ) und bin nun das erste Mal (außer 18 Monate Schwangerschaft) seit 7 1/2 Tagen rauchfrei. Habe seit dem 14.06. interessiert bei euch im Forum gelesen und mir entsprechende Motivation geholt.
Da ich immer schon um meinen stark rauchenden Vater Angst hatte, schrieb ich ihm am 04.06.1994 im Sinne seines Enkelsohnes (mein Sohn - darmals 2 Jahre alt folgendes selbstentworfenes Gedicht:
Lieber Opa,
ich möchte dir heut´ schreiben diesen Brief,
denn ich hab´dich, lieber Opa, soo lieb.
Als ich vor 2 Jahren erblickte das Licht der Welt,
zählte für dich weder Ruhm noch Geld.
Lange vorher wartetest du schon,
auf mich, den Marvin, dein Enkelsohn.
Wir haben uns beschnuppert und vom ersten Tag an lieb gewonnen,
und seitdem sind zwei Jahre verronnen.
Heute habe ich eine große Bitte an dich,
lieber Opa rauche doch nicht!
Ich möchte dich haben ein Leben lang
und werde dann sagen: "Gott sei Dank,
dass ich habe den besten Opa der Welt,
für den weder zählt Ruhm noch Geld,
der immer da war, wenn ich ihn brauchte,
auch wenn er darmals noch rauchte.
Ich möchte noch viel erleben mit dir
und das steht nicht nur so auf dem Papier.
Doch wenn du dich vergiftest immer weiter,
dann macht mich das gar nicht mehr heiter.
Lieber Opa, denk´auch an micht,
bitte, bitte rauche doch nicht!
Jedes Jahr sterben 3 Millionen Menschen an Nikotin
und das ist nicht nur so ein Splin.
Ich möchte das nicht bei dir erleben
und will dir all´meine Liebe geben,
nur tue diesen einen Gefallen für mich,
bitte lieber Opa, rauche doch nicht!
Denk´dabei auch nicht nur an mich,
denk´auch an Mama, sie liebt doch dich.
Was soll sie denn machen, ganz allein,
wenn du von ihr gehst, wegen diesem Schwein,
dem Gift, an dem du bestimmt einmal zerbrichst.
Wenn dir dann schwerfällt, der Entzug von diesem Gift,
an dem du bestimmt noch mal zerbrichst,
dann geh´nach der Arbeit gleich ins Bett,
schlaf´dich gesund, du wirst sehen, dass ist ganz nett,
träum´von mir und denk´an mich,
lieber Opa, ich brauche dich!
Auf der Arbeit, wenn du greifen willst, zur Zigarette,
die dich angrinst: "Nimm´mein Gift ganz fette!",
dann lutsch´einen Bonbon und sag´voller Hohn:
"Dich brauch´ich nicht, die Kilo schon!"
Bewahre diesen Brief steht´s in deinem Herzen
und wenn du wieder hast, diese Schmerzen,
dann nimm´ihn dir und denk´an mich,
Opa, ich liebe dich!
Wenn du kommst, zu meinem Reich,
dann rufe ich zugleich:
"Opa" ist mein erstes Wort und ich renne dir entgegen,
um ein Kussi von dir zu erleben.
Das muss dir doch zeigen, wie lieb ich dich hab´,
denn ich möchte nicht stehen bald vor deinem Grab,
um zu gehen hin und her,
ich rufe Opa, doch du hörst es nicht mehr.
Lieber Opa, nimm´mich in deine Arme
und höre, wenn ich dich warne,
vor dem Gift, diesem Schwein,
sonst bin ich bald allein.
Ich muss dann sagen, ich hatte den besten Opa der Welt,
für den weder zählte Ruhm noch Geld,
der sich sogte um seine Familie,
jedoch mit seiner Gesundheit er spielte.
Ich wäre dann sehr traurig und allein
und das muss nun wirklich nicht sein.
In Liebe
dein Marvin
Mein Vater hat nach Erhalt des Briefes bitterlich geweint, es aber leider nicht geschafft, das Rauchen aufzugeben. Er starb am 17.04.2003 im Alter von 59 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes. Er war der liebenswerteste Mensch (eigentlich viel zu gut für die heutige Welt) den ich je gekannt habe.
All´die Jahre habe ich meinen seelischen Schmerz weiterhin mit Nikotin gestillt, habe immer "funktioniert", gebaut, Vollzeitjob, Kinder, in 25 Berufsjahren nicht einmal krank geschrieben und ich hatte nun, nach dem Tod meines Vaters, ständig die Angst, die Zeit zu verpassen, denn das Leben ist kurz. Habe mich also beruflich weitergebildet, mir das Akkordeonspielen beigebracht, nehme mir immer Zeit für meine Freunde und Familie, habe mir neben meinem Beruf den Traum von einer eigenen kleinen Werkstatt erfüllt, entwerfe Weihnachtsdeko und fertige sie an, male Landschaften in Öl, mache regelmäßig Sport, habe jetzt den Motorradführerschein gemacht und nehme nun auch noch am Bikerleben teil und bin laut meiner Kinder "die coolste Mama der Welt". Ich denke, mein Vater wäre stolz auf mich und traurig zugleich, da auch ich immer noch geraucht habe.
Aber auch als "coolste Mama" ignoriere ich seit Jahren puckern in der Halsschlagader, ständige Herzschmerzen, oft Magenschmerzen und Brustenge (bei Frauen oft Vorbote für Schlaganfall) Mensch was ist bloß los? Möchte ich irgendwann sabbernd im Bett liegen?
Am 12. 06.-13.06. habe ich für meine Tochter eine schöne Party organisiert und mich am Lachen und Spaß der Kinder gefreut und ständig bei mir gedacht, wenn ich so weiter rauche, erlebe ich dieses nicht mehr oft und meine Kinder sind in der selben Situation wie ich mit meinem Vater. Zum Arzt gehe ich nie, will die Frage "Rauchen Sie" und den folgenden Vortrag nicht hören. Aber irgendwie wurde an diesem WE der Schalter in meinem Gehirn umgelegt, denn das Leben ist kostbar und wertvoll. Fahre seit einer Woche nun jeden Tag 34 km statt mit dem Auto nun mit Fahrrad zur Arbeit und zurück, bin 2 Stunden schwimmen gegangen und Joggen. Sport ist die beste Ablenkung für die Gedanken ans rauchen oder essen. Meine Herzschmerzen sind schon jetzt ein wenig besser, meine Hände schlafen nicht mehr ein, ich huste am Morgen gar nicht mehr und ich schnaufe beim Joggen nicht wie ein Walross. Und das nach nur 8 Tagen rauchfrei. Ich hoffe sehr, dass ich eines Tages richtig über den Berg bin und ein rauchfreies Leben führen kann. Bis dahin werde ich mir bei euch im Forum weiterhin Motivation holen. Manchmal könnte aber auch ich trotz der ganzen Einsicht schwach werden, aber Piet hat z. B. im Forum geschrieben: "Was würde eine einzige Zigarette an der Situation, in der du dich gerade befindest, ob Stress oder Langeweile etc. ändern? NICHTS!"
Liebe Grüße und viel Durchhaltevermögen an euch alle
von Chrissi