Liebe Linda,
als ich das Rauchen aufhörte mit der Überzeugung, das schaffe ich ja doch
nicht, war ich schon verwundert, dass es Sonntagabend wurde und ich hatte
seit Mittag nicht mehr geraucht. Aber in jeder Minute, die ich an diesem
Sonntag nicht geraucht hatte, habe ich daran gedacht. Meine Hoffnung,es
wird bald besser werden, wurde bitterlich enttäuscht. Während die anderen
Forenteilnehmer erzählten wie gut es ihnen ging, dachte ich jede Minute
an meine nichtgerauchten Zigaretten. Nach Monat 1 merkte ich ganz verdutzt,
dass ich wirklich "nur" noch jede Minute an die Zigaretten denke, manchmal
sogar zwei! Bei mir ging es so zäh, bei den anderen so leicht. Irgendwann
kaum merklich dachte ich immer öfter nicht mehr alle zwei Minuten oder fünf
an die Zigaretten. Das erste mal so richtig glücklich von innen raus war,
als ich im Mai (6 Monate rauchfrei) ins Krankenhaus musste und nicht mehr
rauchte. Das war so entspannend, ohne Gier flach zu liegen, ohne Gier an die
Zigaretten zu denken, die vor der Operation nicht erlaubt sind. Im Juni
bin ich am Fluss entlang, neben mir die blühenden Büsche mit betäubenden
Duft. 40 Jahre nicht mehr gerochen, die Kindheit kam zurück.
Ich habe schlimm gehustet, das war nicht der primäre Ausstiegsgrund. Der
Rauch hat meine Kinder gestört, ich stank danach und meine Kinder auch,
die Finger waren gelb. Ich hatte so viele Gründe, mehrere DIN-A4-Seiten.
Der Brief mit all meinen Gründen steht in meinem Regal und lächelt. Und
ich lächle zurück.
Ich umarme Dich
Angela