[size=2]Tag 90 meiner Nichtmehrraucher-Reise [/size](15.09.2020)
Im Chat habe ich heute die Frage, wie es mir geht, mit "bassd scho" beantworten. Wenn ein Bayer "bassd scho" sagt, kann das unterschiedliche Bedeutungen haben und bei einem - nicht gerade für euphorische Gefühlsäußerungen bekannten - Oberpfälzer gibt es sogar noch weitere Interpretationsmöglichkeiten. Bei ihm kann "bassd scho" durchaus auch Ausdruck einer gewissen Zufriedenheit sein. Mein "bassd scho" würde ich aktuell so "übersetzen": [i]Ich komme relativ gut klar mit dem Nichtmehrrauchen - es könnte zwar ein bisschen besser laufen, aber auch wesentlich schlechter.[/i]
Der quälende Dauerschmacht von vorvorletzter Woche ist glücklicherweise Geschichte. Aktuell ist es so, dass es mir relativ leicht fällt nicht zu rauchen. Soll heißen, dass ich momentan kaum richtigen Schmacht habe. Aber ich denke halt noch ziemlich oft ans Rauchen und leider immer noch mit einer gewissen Wehmut. Ich habe immer noch das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen, und ich kann dieses Gefühl von Freiheit, Selbstbestimmung etc. nicht empfinden. Das belastet mich so ein bisschen, weil ich immer wieder irgendwo lese, dass man keine Chance hat, ein dauerhafter und zufriedener Nichtmehrraucher zu werden, wenn man dieses Umdenken nicht hinbekommt. Und das macht mir ein bisschen Angst.
Möglicherweise ist mein Problem ein Luxus-Problem, weil die ganzen guten Gründe, weshalb andere aufhören, bei mir irgendwie nicht so richtig zutreffen. Eigentlich höre ich nur aus gesundheitlichen Gründen auf. "Nur" ist natürlich Quatsch, weil die eigene Gesundheit ja wohl der wichtigste Grund überhaupt ist. Aber wir wissen auch, wie hirnamputiert der gemeine Raucher ist, wenn es um die eigene Gesundheit geht. Wohl wissend, wie ungesund es ist, wird jahrzehntelang munter weitergequarzt. Bis man einen gewaltigen Schuss vor den Bug bekommt. Und nicht mal dann schafft jede/r den Absprung. Den Schuss vor den Bug habe ich Gott sei Dank noch nicht bekommen und ich möchte aufhören, bevor ich einen bekomme. Eigentlich eine gute Motivation, aber wie gesagt ... hirnamputiert!
Dann wäre da noch das liebe Geld. Mir geht es finanziell recht gut und mir blieb auch als Raucher am Monatsende genug Geld übrig, um mir das eine oder andere leisten zu können. Und ich habe auch genug auf der hohen Kante, um mir auch mal einen größeren Wunsch erfüllen zu können. Natürlich finde ich es besser, kein Geld mehr aus dem Fenster zu schmeißen um mich zu vergiften. Aber so richtig zieht das halt nicht.
Wären da also noch diese ganzen Befreiungs- und Erleichterungs-Geschichten.
Seit ich nicht mehr arbeite, gab es in meinem Leben nur noch selten Situationen, in denen ich einen längeren Zeitraum rauchfrei bleiben MUSSTE. Vielmehr KONNTE ich locker einen längeren Zeitraum rauchfrei bleiben.
Ich konnte z.B. stundenlang mit meinem Hund draußen unterwegs sein, ohne Schmacht zu empfinden.
Ich konnte mich auch auf einer Feier stundenlang amüsieren, ohne zum Rauchen rauszugehen. (Wenn ich die Feier allerdings langweilig fand, ging ich alle halbe Stunde raus zum Rauchen.)
Wenn die Raucher vor dem Speiselokal im Schneesturm bibberten, blieb ich einfach im Lokal sitzen - soooo dringend musste ich nicht rauchen, um mir das miese Wetter anzutun. (Ich habe zuhause auch nur draußen geraucht und da habe ich im Winter an manchen Tagen nur 2 oder 3 Stück geraucht, weil ich es auf der Terrasse einfach zu ungemütlich fand.)
Ich habe als Frührentnerin wenig Termine und geriet deshalb in den letzten Jahren selten in Zeitdruck, weil ich vorher noch eine oder zwei oder drei rauchen musste.
Seit ich Haustiere habe, fliege ich nicht mehr in Urlaub. Den Stress, auf Langstreckenflügen viele Stunden nicht rauchen zu können, habe ich deshalb schon lange nicht mehr.
Ich habe meine Zigaretten immer auf Vorrat gekauft und habe den Vorrat auch immer so rechtzeitig aufgestockt, dass äußerst selten diese Die-Zigaretten-sind-fast-alle-Panik aufkam.
Diese Aufzählung könnte ich jetzt noch weiterführen, erspare uns das aber einfach mal. Ich glaube, es ist auch so bereits deutlich geworden, warum es mir so schwer fällt, das Nichtmehrrauchen als Befreiung oder Erleichterung zu empfinden. Weil es in den letzten Jahren kaum Situationen gab, in denen ich als Raucher irgendwie unter Druck geriet. Das soll aber kein Jammern sein bzw. allenfalls Jammern auf sehr hohem Niveau. Wie gesagt fällt es mir momentan nicht wirklich schwer, nicht zu rauchen, weil sich der Schmacht in Grenzen hält. Trotzdem wünsche ich mir natürlich dieses angestrebte gute Gefühl, nicht mehr rauchen zu müssen. Dass sich das Nichtmehrrauchen normal anfühlt. Aber zum einen muss ich wohl einfach noch ein bisschen Geduld haben und zum anderen versuche ich es jetzt mal mit dieser "Akzeptanz", von der RFL Ines eben im Chat gesprochen hat. Ich rauche nicht mehr ... und das ist gut so! Oder auch: [b]Bassd scho![/b] 8) :wink: :lol: