guten morgen thomas,
ich habe heute viel darüber nachgedacht, was du mir am ersten tag
geschrieben hast, sowie darüber, wie unterschiedlich stark das
süchtende euch (ich bin ja noch ganz am anfang, zähle mich da grad
nicht ganz dazu) überfällt...
du schriebst, ich hätte [i]erst[/i] 12 jahre geraucht, dieses erst
hat mich da in meiner anfänglichen nichrauch-gereiztheit (die ich
gar nicht so wahrgenommen habe, erst jetzt im nachhinein) angepiekst.
ich fühlte mich damit kurzzeitig in meinem leiden nicht gewürdigt.
[i](nicht besonders rational, ich weiß...)
[/i]gestern habe ich mit einem freund darüber gesprochen, dass es mir ja
verhältnismäßig leicht fällt, viel leichter als gedacht!
und er meinte, dass das vielleicht wirklich an alter und lebenssituation
liegt.
ich will euch genauso wenig damit verletzen, wie du mich mit dem
wörtchen da oben verletzen wolltest - aber vielleicht liegt es wirklich
daran, dass ich, frisch dem studium entsprungen, grad dabei, einen neuen
teil meines lebens zu beginnen, näher dran bin am "lernen"? damit
meine ich auch, verhaltensweisen "umzulernen". meine welt neu zu
erschaffen.
das gehirn lernt ja, indem es synpasen schließt. und je öfter eine
situation oder verhaltensweise auftaucht, desto öfter wird diese synapse
geschlossen - da entsteht ein dicker, immer dicker werdender synapsenstrang,
der automatisch angesprochen wird in diesen situationen.
das bedeutet, dass die volksweisheit, je älter man wird, desto schwerer
fällt das (um-)lernen, richtig ist. eben weil das gehirn einen dicken strang
besser und schneller findet als einen dünnen.
liegt es daran, dass es mir leichter fällt?
ist mein strang noch nicht so dick?
vielleicht erklärt es das ein bisschen.
zumdem habe ich ja bei ute schon angedeutet, dass ich in den letzten
jahren viel an mir und meiner lebenseinstellung gearbeitet habe.
ich habe viele neue synapsen geschlossen, zu den unterschiedlichsten
themen, würden die gehirnforscher sagen.
ich habe ein neues selbstkonzept entwickelt - vom traumatisierten kind
zum glückskind bzw zur glückserwachsenen.
die letzten wochen habe ich viel darüber nachgedacht, inwieweit unsere
gedanken unsere welt "schöpfen". du bist, was du denkst.
sprich, wenn du optimist bist, begegnet dir die welt auch freundlicher?
wenn du erwartest, dass in diesem leben alles anstrengend ist, muss das
leben dir eben dieses auch zeigen?
ich weiß es nicht. das sind noch recht frische gedanken.
aber vielleicht ist wirklich etwas dran, wenn ich
1. denke, dass das umlernen statt rauchen nicht schwer sein muss und
2. mich aufmerksam beobachte, schaue, was unter dem suchtgedanken ist,
welches bedürfnis unter dem jeweiligen rauchermoment liegt
(langeweile, stress, traurigkeit, einsamkeit, freude, satt sein,
entspannung, genuß, selbstvorwürfe, schuldgefühle, kraftlosigkeit,
misstrauen, angst, ... mir fällt auf, das meiste ist negativ!),
und dann
3. schaue, wie ich dieses bedürfnis achten und ggfs wenn möglich anders
befriedigen kann,
dass ich dann dem suchtteufel entgegentreten kann auf augenhöhe?
und keine angst davor haben muss?
weil es etwas natürliches ist, bedürfnisse zu haben?
und es schön ist, diese zu befriedigen, wenn auch nicht immer machbar?
macht es mir diese einstellung so leicht?
oder bin ich einfach nur eine glückliche, dass mein körper es mir
nicht so verdammt schwer macht wie euch? oder noch nicht?:o
soooo viele fragen...
ich wollte dir das mit auf den weg geben, vielleicht magst du (und die
anderen, die es lesen) mir mitteilen, was ihr darüber denkt?
ist da irgendwo ein haken in meinen gedanken?
jetzt schließe ich das hier mit einem
herzlichen gruß - hab einen schönen tag!
mari