Das Licht im Fenster
In der kleinen Straße war es still geworden. Die Tage waren kurz, der Himmel grau, und in vielen Fenstern blieb es abends dunkel. Auch Mara fühlte sich müde von diesem Jahr. Zu vieles war anders gekommen als geplant.
Am ersten Advent zündete sie trotzdem eine Kerze an und stellte sie ins Fenster. „Nur ein kleines Licht“, dachte sie. „Mehr braucht es heute nicht.“
Am nächsten Abend blieb sie kurz stehen, als sie das Haus gegenüber sah. Dort brannte nun ebenfalls eine Kerze. Am dritten Abend noch eine. Und noch eine. Von Fenster zu Fenster wanderte das warme Leuchten durch die Straße.
Menschen, die sich sonst nur flüchtig grüßten, lächelten sich nun zu. Jemand stellte einen kleinen Tannenzweig vor die Tür, jemand anderes ein Herz aus Papier ans Fenster. Die Straße wurde heller – nicht laut, nicht groß, aber spürbar.
Am vierten Advent standen überall Lichter. Und Mara merkte: Die Dunkelheit war nicht verschwunden, aber sie hatte ihren Schrecken verloren. Denn jedes Licht hatte ein anderes entzündet.
Sie lächelte, schloss das Fenster und dachte:
Manchmal beginnt Hoffnung genau so – leise, klein und genau dort, wo jemand den Mut hat, ein Licht anzuzünden.
Und am Ende war klar: Dieses Licht würde bleiben. ✨