Juten Morjen die zwote,
es ist immer noch ein schöner Tach, oder? Ick bin vonne Ärztin zurück, schon seit längerem. Damit det allet richtich frische Erkenntnisse zum OP-Termin (ambulant) am 10.10. is, ham se mir jesacht ick soll am 04.10 wieder auffe Matte stehen, da wolln se mia Blut abzappen. Ick seh mich Faß auffe Pritsche liegen, de Schwester hält den Zapphahn, Frau Doktor schwingt den Schlejel, ein Puff ein Ruck ein Zuck und:
[b][size=2]"O'zapft is!!!"[/size][/b]
Am 6sten krije ick den die Erjebnisse, wird wieder en weiterer Wisch sein, bekrakelt mit parteichinesisch, einzich erkennbar Formulierungen wie: "Noch grad so im Normbereich - könnte besser sein - voll daneben - den Wert jibs nich mehr in unsere Laborskala"
Naja, man wird sehen, jedenfalls is der Fahrplan für die weitere Zeit bis 10.10. in trockene Tücher jepackt. Freut mich, was mich noch mehr freut ist, wie jut, wie schön es einem als Nichtraucher jehn kann.
Ick hör hier heute, an so einem schönen Tag, mal ganz andere Musik. Draussen scheint die Sonne, kaum Wolken am Himmel, das Oberlicht steht offen, es kommt frische würzige Herbstluft in mein Zimmer, zwei Aromalampen brennen. Aus meinen Boxem klingt heiter erbauliche barocke Musik, die Sonate für Flöte und Basso continuo Nr. 25 g-moll von Friedrich dem Großen, mit dessen Kompositionen es dann in der Playlist, die ich mir für heute zusammen gestellt habe, weitergeht, als da wären:
Sonate Nr. 1, C-Dur
Sonate Nr. 2, c-Moll
Sonate Nr. 11, d-Moll
Sonate Nr. 21, D-Dur
Sonate Nr. 9, e-Moll
den krönenden Abschluß der Playlist bildet das ebenfalls von Friedrich dem Großen komponierte
Konzert für Flöte und Orchester Nr. 4, D-Dur
Heiter beschwingte, dennoch besinnliche und auch elegante barocke Musik, die ich mal wieder aus meinen CD Beständen heraus gewühlt habe. Könnt ihr ein klein wenig nachempfinden, wie ausgeruht und glücklich und gelassen ich bin, seit ich Nichtraucher bin? Wie schön ist doch das Leben ohne die Stinketeile, mit deren Hilfe wir uns alle um viele schöne Jahre und viel schöne und besser nutzbare Zeit betrogen haben.
Ja klar, auch ich gehöre zu denen die beispielsweise folgendes von sich geben könnten, nein, ich muss das richtig formulieren, anders formulieren. Mein Satz den ich jetzt sage, spiegelt wieder, was ich noch vor wenigen Jahren dachte, bis zum Schluß cor ca. 3 Wochen gedacht habe:
"Es war immer sehr schön, wenn ich abends an der Nordsee am Strand angekommen war. Ich hatte mein Ritual, erst das Stativ für die Angeln aufbauen, die große Petromaxlaterne anzünden und anhängen. Dann die Angeln aufbauen, beködern, auswerfen und im Stativ sauber und präzise für die Bißerkennung ablegen. Einen Becher Kaffee aus der Thermokanne einschenken und dann genußvoll einen Zigarillo, einen der guten echten reinen holländischen zwischen die Lippen stecken und an der Petromax Laterne anzünden. Das ist mein Genuß und meine Entspannung pur."
Und ich denke mal, mit einigen Änderungen könnte jeder einen ähnlichen Satz für sich zusammen bauen, von verflossenen Tagen und Zeiten träumend. Begreift, wie ich unten für mich selbst ausführe, wie wir uns alle betrogen haben.
So hab ich wirklich mal gedacht. Steinigt mich jetzt, ich denke immer noch so. Ich habe das wirklich genossen, es war unglaublich schön. Ich denke aber auch, das ich mich irgendwo selbst dabei betrogen habe. Ich habe es nie ausprobiert, ob es ohne Zigarillo nicht genauso schön sein könnte. Ich denke, es wäre genauso schön. In einem Jahr werde ich es wissen, wenn ich dann mal wieder Urlaub an der holländischen Nordseeküste verbringe.
Für dieses Jahr hab ichs mir selbst versaut, durch die Folgen meiner Raucherei könnte ich weder einen schönen und entspannten Bummel über einen holländischen Markt machen, noch könnte ich eine schöne und mehrere Kilometer lange Strandwanderung machen, und über die Zeitspanne einer Tide angelnderweise am Strand stehen und ab und zu mal mit dem Wasser mit ab oder aufrücken, wär auch nicht drin. Selbst versaut. Durch die Schaiz Raucherei, durch permanenten, über Jahre, Jahrzehnte hinweg gepflegten Selbstbetrug.
Aber Kopp hoch, noch ist weder Polen noch Holland verloren. In einem Jahr werd ich wieder am Strand wandern, mit ner Fishermens friend im Mund, statt Zigarillo.
Es grüßt, der fröhliche und gut aufgelegte Plänterwäldler Daniel