27.05.2026
03:28 Uhrbearbeitet:
27.05.2026
03:35 Uhr
Hallo Dani,
es ist gut, dass du dir Gedanken über deine Nikotinsucht machst und daran denkst, mit dem Rauchen aufzuhören, vor allem, weil du dich durch das Husten bereits beeinträchtigt fühlst.
Ich habe auch die Erfahrung gemacht, egal aus welchen Gründen ich mal mit dem Rauchen angefangen hatte, irgendwann rauchte ich nur noch, weil ich süchtig geworden bin und mein Körper regelmäßig nach Nikotin verlangte, wenn der Spiegel sank.
Und ja, eine Gewohnheit kann man durch neue Verhaltensweisen überschreiben, das Gehirn also umprogrammieren.
Mir hat da geholfen, dass ich mich auf den Rauchstopp mit professioneller Hilfe vorbereitet habe.
1. Zunächst notierte ich mir 2 Wochen lang, wann ich wo unter welchen Bedingungen in welcher Stimmung geraucht habe. So erkannte ich Muster, typische Rauchsituationen, z.B. die Wegezigarette, die Zigarette nach dem Frühstück zum Kaffee, die Zigarette nach dem Bad putzen vor dem Staubputzen, nach dem Staubputzen vor dem Staubsaugen als Belohnung, die Zigarette während der Werbepause bei einem abendlichen Film usw.
2. In einem weiteren Schritt überlegte ich mir für diese Situationen Alternativen, z.B. statt Wegezigarette Schritte zählen oder bewusst auf Umgebungsgeräusche achten, bei den Putzzwischenschritten eine Atemübung, zur Belohnung einen Tee ritualmäßig zubereiten und genießen, bei Werbepausen die Hände beschäftigen. Gleichzeitig habe ich mir einen Notfallkoffer gepackt, also mir Dinge überlegt, die mir helfen, einen akuten Suchtdruck zu überstehen (z.B. eine Liste mit Vorteilen des Nichtrauchens, Kontakte, bei denen ich mich bei Suchtdruck melden kann, Atemübungen, Treppe laufen, spazieren).
Sowohl die Liste der Alternativen als auch der Kofferinhalte sind auf mich zugeschnitten gewesen. Du hättest u.U. ganz andere.
Nach diesen Vorbereitungen habe ich den Tag des Rauchstopps festgelegt. Aufgrund der vorherigen Beobachtungen konnte ich mir einen Tag in der Woche aussuchen, von dem ich wusste, dass er am geeignetesten ist. Bei mir war es ein Samstag, da mich die Anwesenheit meines Mannes anspornte durchzuhalten.
Und ich überlegte, was ich mir nach 1 Woche Rauchfreiheit von dem ersparten Geld kaufen möchte. (Bei mir war es eine Puzzle-Unterlage.) So hatte ich einen weiteren Grund, nicht zu rauchen, und habe mich wirklich die ganze Woche auf meine Belohnung gefreut. Ich hatte dadurch Dopaminausschüttungen, ohne dafür rauchen zu müssen. Das Belohnungssystem behalte ich immer noch bei, vergrößere aber nun die Abstände, um mir auch etwas nicht so Günstiges wie z.B. ein tolles Eau de Parfum, einen Wellnesstag gönnen zu können.
Schließlich fing ich während der Vorbereitungszeit und der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Gift, mit den Suchtmechanismen an, das Nichtrauchen nicht als Verzicht, sondern als Gewinn zu sehen. Ich dachte nicht, dass ich leider nie wieder rauchen kann, sondern dass ich nie wieder rauchen muss. Der Rauchstopp ist mein Weg in Unabhängigkeit, Selbstbestimmtheit und Freiheit.
Suchtdruck sah ich als Versuch meines Suchthirns, mich mit allen Mitteln wieder zum Rauchen zu kriegen. Da die Sucht nicht real denkt, sah ich Diskussionen mit der Suchtstimme als unsinnig an und verjagte sie sofort ohne Wenn und Aber.
Das alles praktiziere, verinnerliche ich weiterhin und fahre seit nun 3 Monaten ohne großes Craving gut damit.
Von nikotinfreien Dampfern rate ich ab, da du dann ja weiterhin an einem Ding ziehst, Qualm einatmest, Rauch ausatmest und das in Situationen, in denen du bisher eine Zigarette geraucht hast.
Du änderst also keine Gewohnheiten. Du greifst weiterhin automatisch in rauchtypischen Situationen zu einem Qualmding.
Nikotinersatz in der ersten Zeit in Form von Pflastern hilft dagegen, den körperlichen Entzug zu verschieben, um sich besser mit der Änderung der Gewohnheiten beschäftigen zu können.
Ein Pflaster kannst du dann im Laufe der Entwöhnung reduzieren, während du gleichzeitig in dieser Zeit Alternativen zu typischen Rauchsituationen einübst, ein Spray kann dir als Teil deines Notfallkoffers bei Craving helfen. Da sollte man sich für das entscheiden, bei dem man sich besser fühlt.
Und schließlich hilft der Austausch mit Gleichgesinnten wie hier im Forum.
So fährt z.B. jeden Monat ein Zug los, der alle zur Mitfahrt einlädt, die in dem Monat mit dem Rauchen aufhören möchten - wobei man natürlich auch zwischen den Zügen wandern darf 😊.
Puh, das war jetzt eine ganze Menge.
Wenn dir das ein oder andere hilft, das Nichtmehrrauchen leichter umsetzen zu können, dann hat sich mein Roman schon gelohnt.
Ich wünsche dir einen erfolgreichen Start in ein befreites, wesentlich lebenswerteres Leben.
Liebe rauchfreie Grüße Kyra