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dicht - Dichter - Gedichte - 2500.... - von allen für alle

109
109Beiträge
05.12.2018
14:30 Uhr
Pidder Lüng Detlev von Liliencron "Frii es de Feskfang, Frii es de Jaght, Frii es de Strönthgang, Frii es de Naght, Frii es de See, de wilde See En de Hörnemmer Rhee." Der Amtmann von Tondern, Henning Pogwisch, Schlägt mit der Faust auf den Eichentisch: Heut fahr ich selbst hinüber nach Sylt Und hol mir mit eigner Hand Zins und Gült. Und kann ich die Abgaben der Fischer nicht fassen, Sollen sie Nasen und Ohren lassen, Und ich höhn ihrem Wort: Lewwer duad üs Slaav! Im Schiff vorn der Ritter, panzerbewehrt, Stützt sich finster auf sein langes Schwert. Hinter ihm, von der hohen Geistlichkeit, Steht Jürgen, der Priester, beflissen, bereit. Er reibt sich die Hände, er bückt den Nacken. Der Obrigkeit helf ich die Frevler packen; In den Pfuhl das Wort: Lewwer duad üs Slaav! Gen Hörnum hat die Prunkbarke den Schnabel gewetzt, Ihr folgen die Ewer, kriegsvolkbesetzt. Und es knirschen die Kiele auf den Sand, Und der Ritter, der Priester springen ans Land, Und waffenrasselnd hinter den beiden Entreißen die Söldner die Klingen den Scheiden. Nun gilt es, Friesen: Lewwer duad üs Slaav! Die Knechte umzingeln das erste Haus, Pidder Lüng schaut verwundert zum Fenster heraus. Der Ritter, der Priester treten allein Ober die ärmliche Schwelle hinein. Des langen Peters starkzählige Sippe Sitzt grad an der kargen Mittagskrippe. Jetzt zeige dich, Pidder: Lewwer duad üs Slaav! Der Ritter verneigt sich mit hämischem Hohn, Der Priester will anheben seinen Sermon. Der Ritter nimmt spöttisch den Helm vom Haupt Und verbeugt sich noch einmal: Ihr erlaubt, Daß wir euch stören bei euerm Essen, Bringt hurtig den Zehnten, den ihr vergessen, Und euer Spruch ist ein Dreck: Lewwer duad üs Slaav! Da reckt sich Pidder, steht wie ein Baum: Henning Pogwisch, halt deine Reden im Zaum. Wir waren der Steuern von jeher frei, Und ob du sie wünschst, ist uns einerlei. Zieh ab mit deinen Hungergesellen, Hörst du meine Hunde bellen? Und das Wort bleibt stehn: Lewwer duad üs Slaav! Bettelpack, fährt ihn der Amtmann an, Und die Stirnader schwillt dem geschienten Mann: Du frißt deinen Grünkohl nicht eher auf, als bis dein Geld hier liegt zu Hauf. Der Priester zischelt von Trotzkopf und Bücken Und verkriecht sich hinter des Eisernen Rücken. O Wort, geh nicht unter: Lewwer duad üs Slaav! Pidder Lüng starrt wie wirrsinnig den Amtmann an. Immer heftiger in Wut gerät der Tyrann, Und er speit in den dampfenden Kohl hinein: Nun geh an deinen Trog, du Schwein. Und er will, um die peinliche Stunde zu enden, Zu seinen Leuten nach draußen sich wenden. Dumpf dröhnt's von drinnen: Lewwer duad üs Slaav! Einen einzigen Sprung hat Pidder getan, Er schleppt an den Napf den Amtmann heran Und taucht ihm den Kopf ein und läßt ihn nicht frei, Bis der Ritter erstickt ist im glühheißen Brei. Die Fäuste dann lassend vom furchtbaren Gittern, Brüllt er, die Türen und Wände zittern, Das stolzeste Wort: Lewwer duad üs Slaav! Der Priester liegt ohnmächtig ihm am Fuß; Die Häscher stürmen mit höllischem Gruß, Durchbohren den Fischer und zerren ihn fort, In den Dünen, im Dorf rasen Messer und Mord. Pidder Lüng doch, ehe sie ganz ihn verderben, Ruft noch einmal im Leben, im Sterben Sein Herrenwort: Lewwer duad üs Slaav!
05.12.2018
14:26 Uhr
Es stand in alten Zeiten ein Schloß, so hoch und hehr, Weit glänzt es über die Lande bis an das blaue Meer, Und rings von duft'gen Gärten ein blütenreicher Kranz, Drin sprangen frische Brunnen in Regenbogenglanz. Dort saß ein stolzer König, an Land und Siegen reich, Er saß auf seinem Throne so finster und so bleich; Denn was er sinnt, ist Schrecken, und was er blickt, ist Wut, Und was er spricht, ist Geißel, und was er schreibt, ist Blut. Einst zog nach diesem Schlosse ein edles Sängerpaar, Der ein' in goldnen Locken, der andre grau von Haar; Der Alte mit der Harfe, der saß auf schmuckem Roß, Es schritt ihm frisch zur Seite der blühende Genoß. Der Alte sprach zum Jungen: "Nun sei bereit, mein Sohn! Denk unsrer tiefsten Lieder, stimm an den vollsten Ton! Nimm alle Kraft zusammen, die Lust und auch den Schmerz! Es gilt uns heut, zu rühren des Königs steinern Herz." Schon stehn die beiden Sänger im hohen Säulensaal, Und auf dem Throne sitzen der König und sein Gemahl, Der König furchtbar prächtig wie blut'ger Nordlichtschein, Die Königin süß und milde, als blickte Vollmond drein. Da schlug der Greis die Saiten, er schlug sie wundervoll, Daß reicher, immer reicher der Klang zum Ohre schwoll; Dann strömte himmlisch helle des Jünglings Stimme vor, Des Alten Sang dazwischen wie dumpfer Geisterchor. Sie singen von Lenz und Liebe, von sel'ger goldner Zeit Von Freiheit, Männerwürde, von Treu' und Heiligkeit, Sie singen von allem Süßen, was Menschenbrust durchbebt, Sie singen von allem Hohen, was Menschenherz erhebt. Die Höflingsschar im Kreise verlernet jeden Spott, Des Königs trotz'ge Krieger, sie beugen sich vor Gott; Die Königin, zerflossen in Wehmut und in Lust, Sie wirft den Sängern nieder die Rose von ihrer Brust. "Ihr habt mein Volk verführet; verlockt ihr nun mein Weib?" Der König schreit es wütend, er bebt am ganzen Leib; Er wirft sein Schwert, das blitzend des Jünglings Brust durchdringt. Draus statt der goldnen Lieder ein Blutstrahl hoch aufspringt. Und wie vom Sturm zerstoben ist all der Hörer Schwarm. Der Jüngling hat verröchelt in seines Meisters Arm; Der schlägt um ihn den Mantel und setzt ihn auf das Roß, Er bind't ihn aufrecht feste, verläßt mit ihm das Schloß. Doch vor dem hohen Thore, da hält der Sängergreis, Da faßt er seine Harfe, sie, aller Harfen Preis, An einer Marmorsäule, da hat er sie zerschellt; Dann ruft er, daß es schaurig durch Schloß und Gärten gellt: "Weh euch, ihr stolzen Hallen! Nie töne süßer Klang Durch eure Räume wieder, nie Saite noch Gesang, Nein, Seufzer nur und Stöhnen und scheuer Sklavenschritt, Bis euch zu Schutt und Moder der Rachegeist zertritt! Weh euch, ihr duft'gen Gärten im holden Maienlicht! Euch zeig' ich dieses Toten entstelltes Angesicht, Daß ihr darob verdorret, daß jeder Quell versiegt, Daß ihr in künft'gen Tagen versteint, verödet liegt. Weh dir, verruchter Mörder! du Fluch des Sängertums! Umsonst sei all dein Ringen nach Kränzen blut'gen Ruhms! Dein Name sei vergessen, in ew'ge Nacht getaucht, Sei wie ein letztes Röcheln in leere Luft verhaucht!" Der Alte hat's gerufen, der Himmel hat's gehört, Die Mauern liegen nieder, die Hallen sind zerstört; Noch eine hohe Säule zeugt von verschwundner Pracht; Auch diese, schon geborsten, kann stürzen über Nacht. Und rings statt duft'ger Gärten ein ödes Heideland, Kein Baum verstreuet Schatten, kein Quell durchdringt den Sand, Des Königs Namen meldet kein Lied, kein Heldenbuch; Versunken und vergessen! das ist des Sängers Fluch!
04.12.2018
23:09 Uhr
bearbeitet:
04.12.2018
23:11 Uhr
Liebe Nomade! Ich finde so einen Thread über Gedichte auch nicht verkehrt und du hast recht damit, dass Ablenkung eine große Rolle spielt...beim Nichtmehrrauchen. Ich brauche sie zwar nicht mehr so dringend, aber am Anfang hat mir die Ablenkung durch das Forum und mein Online Schwedischkurs viel gebracht. :) Schön, dass du Christian Morgenstern magst. Dein kurzes Gedicht von ihm ist echt süß! :) Ich hab noch ein kurzes von Rilke...Ist eher melancholisch. [b] Schlußstück Der Tod ist groß Wir sind die seinen Lachenden Munds Wenn wir uns mitten Im Leben meinen Wagt er zu weinen Mitten in uns (Rainer Maria Rilke)[/b] :flowerblue: Wünsche euch einen schönen rauchfreien Mittwoch! Ganz liebe Grüße Stefanie :)
04.12.2018
22:54 Uhr
.... welche Freude - es geht weiter! Da meldet sich det Tuppi - und schon steht ein neues "Gänsehautgedicht" hier - Danke! Und Asbachgirl zitiert meinen absoluten Lieblingsdichter!!!! - ebenfalls Danke! Der Herrn von Ribbeck gefällt mir auch sehr. Und ja - UNMITTELBAR hat Literatur (Geschichten/Gedichte/Reportagen etc.) sicher nichts mit der Suchtbekämpfung zu tun. Mittelbar - denke ich - schon: - lese (oder schreibe) ich eine Geschichte, ein Gedicht, denke ich nicht ans Rauchen - eines der vier "A"s heißt Ablenkung - es handelt sich um eine kosten- und schmerzfreie Art der Ablenkung, die - wenn man möchte - auch noch den Geist anregt - was "wir in einem Rauchfrei-Forum lesen wollen", kann ich natürlich nicht abschätzen, halte es aber für wichtig, sich vor Augen zu führen, daß uns noch so viel mehr ausmacht, als die Sucht [b]Das ästhetische Wiesel[/b] Ein Wiesel saß auf einem Kiesel inmitten Bachgeriesel. Wißt ihr weshalb? Das Mondkalb verriet es mir im Stillen: Das raffinier- te Tier tat's um des Reimes willen. Christian Morgenstern Natürlich freue ich mich auch, wenn die Geschichten im 1000er Club oder die Gedichte hier gelesen werden. Möchte jemand seine Meinung dazu kund tun - immer ran an die Bouletten (wie der Berliner sagen würde) und wenn es eigene Beiträge gibt (Meinungen oder Texte - die natürlich nicht "nur" selbst geschriebene sein sollen - siehe "Ribbeck" ) - immer her damit :D Ich hoffe, Ihr hattet alle einen entspannten - oder, wenn das zuviel verlangt ist, wenigstens erfolgreichen :kaputtlachsmile: - rauchfreien Tag und wünsche Euch auch für morgen viel Erfolg beim Widerstehen Nomade
04.12.2018
12:58 Uhr
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, Ein Birnbaum in seinem Garten stand, Und kam die goldene Herbsteszeit Und die Birnen leuchteten weit und breit, Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl, Der von Ribbeck sich beide Taschen voll. Und kam in Pantinen ein Junge daher, So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?« Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn, Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.« So ging es viel Jahre, bis lobesam Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam. Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit, Wieder lachten die Birnen weit und breit; Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab. Legt mir eine Birne mit ins Grab.« Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus, Trugen von Ribbeck sie hinaus, Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht Sangen »Jesus meine Zuversicht«, Und die Kinder klagten, das Herze schwer: »He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?« So klagten die Kinder. Das war nicht recht - Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht; Der neue freilich, der knausert und spart, Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt. Aber der alte, vorahnend schon Und voll Mißtrauen gegen den eigenen Sohn, Der wußte genau, was er damals tat, Als um eine Birn' ins Grab er bat, Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus. Und die Jahre gehen wohl auf und ab, Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab, Und in der goldenen Herbsteszeit Leuchtet's wieder weit und breit. Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her, So flüstert's im Baume: »Wiste 'ne Beer?« Und kommt ein Mädel, so flüstert's: »Lütt Dirn, Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn.« So spendet Segen noch immer die Hand Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland. (Theodor Fontane) Ist es wirklich das, was wir in einem Rauchfrei - Forum lesen wollen? Denn viel abgelegener als der allgegenwärtige John Maynard ist es ja auch nicht. Vielleicht sollten wir uns mal wieder ein wenig auf die Suchtbekämpfung fokussieren. Geeignete Internetforen für die dichterischen oder journalistischen Ambitionen des einen oder der anderen gibt es doch sicherlich genug. Ich bitte, dies ausdrücklich als Denkanstoß zu verstehen und wäre dankbar, wenn sich auch User zu Wort melden, die hier bisher nicht vertreten sind. LG Sonja :sun:
04.12.2018
07:55 Uhr
Wir mussten in der Schule keine Gedichte mehr auswendig lernen... :cry: Aber "John Maynard" kenne ich auch... Sehr schön! Danke, Heike! Und auch für dein Kurzgedicht mit 13. Toll. :) Das von dir, Herry, ist auch sehr gut. Kannte ich nicht. Sicher schwer zum auswendig lernen... ;) Dankeschön, Nomade! :rose: Ich hab hier noch ein kurzes, das mir sehr gefällt. Hing vor Jahren mal über meinem Bett... [b][i]Vorn ein Wall von schwarzen Hügeln Doch astralhaft über ihnen Bleiche Wände, mondbeschienen Wie aus Flor von Geisterflügeln Schau ich hier zum Bild gewoben Erdendumpfheit, Himmelstrachten? Rings das unten noch voll Nachten Doch von Seelenlicht das Droben (Christian Morgenstern)[/i][/b]
04.12.2018
06:02 Uhr
Pearl, John Maynert...:heart: es ist ja sooooo lange her. Auch ich habe es in der Schule auswendig lernen müssen. Und ich freue mich, dass ich heute daran erinnert wurde. Ich wünsche euch allen einen schönen Tag. Liebe Grüße curley :sweatpea:
04.12.2018
05:58 Uhr
Hallöle, wie wunderbar - es gibt tatsächlich noch mehr DichterInnen unter uns - hab' ich doch richtig vermutet....:riesengrinser: @Asbachgirl - gefällt mir gut, Dein Wunschgedicht :gefsmilie: Allen noch einen schönen Dienstag ohne Zigarettenqualm wünscht von :heart: en Nomade
03.12.2018
23:54 Uhr
Wenn der Abend naht Wenn der Abend naht Und die Blätter fallen Weiß ich, du bist fort Weg von diesem Ort Bist auf langer Fahrt Wenn der Abend naht Und die Blätter fallen Wenn das erste Grün Wieder lacht am Baume Weiß ich, du bist da Mir wieder ganz nah Jung und ungestüm Wenn das erste Grün Wieder lacht am Baume Doch ist's nur ein Traum Den ich heimlich hege Wirklich ist er schwerlich Trotzdem leicht und herrlich Atmen wag ich kaum Auch wenn's nur ein Traum Den ich heimlich hege Hm, hab ich so im Jahre 2008 geschrieben... ;) :heart:
03.12.2018
18:56 Uhr
Hi Pearle, gar nicht übel - für 13 - Respekt. LG Nomade :smileumarmung:
02.12.2018
18:10 Uhr
[b]dank dir[/b] für A. ich seh' sie wieder, die sterne am himmel und in den augen meiner freunde. ich seh' sie wieder, die sonne auf den geschlossenen lidern der träumer. unsere augen haben blicke geatmet bis unseren mündern die luft ausging. fast. und endlich steh' ich wieder auf dem kopf aS 07/09/00
02.12.2018
15:10 Uhr
.... wow Pearle, ja, das habe ich auch mal auswendig gelernt in der Schulzeit und es läuft mir immer noch kalt den Rücken runter und rührt mich fast zu Tränen - DANKE für diese gute Erinnerung :gefsmilie: Lieben Gruß Nomade
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