Guten Morgen Lavendel,
herzlich willkommen hier bei uns Aufhörwilligen; schön daß Du Deinen Weg hergefunden hast. Und meine Anerkennung für Euren gemeinsamen Entschluß, das Rauchen aufzuhören, sowie für dessen Umsetzung. Toll!
Ja solche Rückfälle kommen öfters vor, ist mir auch mal passiert, bevor ich hier herfand. Hast Du gewußt, daß ein Aufhörer im Durchschnitt sieben Anläufe braucht, bis er dauerhaft rauchfrei ist? Das liegt daran, daß die Sucht Finten und Fallstricke für uns bereithält, auf die wir nicht vorbereitet sind. Daran, daß wir vielfach nicht wissen, daß uns das antrainierte Suchtgedächtnis bleibt, daß wir es "nur" (was heißt nur, diese Leistung ist schon immens) schlafen geschickt haben, und daß es sofort wieder geweckt werden würde, wenn wir ihm sein Futter wieder anbieten. Das ist auch der Grund, warum es für uns bereits entwöhnte Raucher "diese eine" Zigarette auch nie mehr geben kann: ist das Suchtgedächtnis, das wir nun mal einfach akzeptieren müssen, einmal geweckt, verlangt es auch wieder konsequent sein Futter. Aus demselben Grund schaffen wir es übrigens auch nie mehr, nur gelegentlich zu rauchen.
Aber mit diesem Wissen ausgestattet, kannst Du, könnt Ihr nunmehr schon eine Rückfallquelle ausschließen: Ihr wißt, daß es die eine oder gelegentlich mal eine nicht mehr geben kann. Ihr könnt auch noch mehr aus dem Rückfall für Euch rausholen: Welche Situationen, welche Gefühlslagen waren es, die Euch haben umkippen lassen? Du sagst ja für Dich, Wut und Enttäuschung. Wie könntest Du dies künftig anders kompensieren? Zieh Deine Konsequenzen daraus, mach Dir einen Plan. Siehst Du, hiermit kannst Du diesen Rückfall noch für Dich nutzen. Und vielleicht Deinen Frieden damit machen. Es ist nun mal passiert (sooooo vielen von uns), doch jetzt schlägst Du erneut den Rauchfreiweg ein - diesmal mit einer Erfahrung und etwas Wissen mehr. Das ist doch das wichtigste.
Für diesen Ausstieg: was kannst Du vom letzten Ausstieg für Dich recyceln, was hat für Dich funktioniert? Womit hast Du Dich abgelenkt, was hat Dir gut getan? Und welche Situationen gibt es, für deren Bewältigung Du noch Anregungen wünschst? Wenn Du Fragen hast, oder auch Entzugsbefindlichkeiten, dann trage bitte alles hierher, hier findest Du die geballte Kompetenz für Entwöhnungsschieflagen aller Art, irgendjemand kann Dir sicherlich zu jedem Entzugsstreßfaktor einen Tipp geben. Schreib einfach, wie es Dir geht.
Was das "soziale Ding" angeht: Ich kann es Dir nachfühlen, man kann sich nicht vorstellen, daß man jemals wieder dieselbe Freude am Gesellschaftsleben wird haben können. Das liegt daran, daß dieses im Kopf mit dem Zigarette verknüpft ist. Das haben wir uns so antrainiert, das ist so drin. Dasselbe ist es mit dem Genuß alkoholischer Getränke: da hat schon immer bei geraucht, stimmts? Beim Rauchstopp geht es ganz stark auch um die Entkoppelung bestimmter Situationen und Gefühlslagen von der Zigarette. Und das geht auch. Nicht lange, und Du wirst Deine sozialen Kontakte auch rauchfrei wieder genießen können - auch dann wenn die anderen rauchen. Das ist ein Erfahrungswert, also die Freude daran kommt wieder. Was könntest Du bis dahin machen, um von diesen Situationen nicht zu sehr belastet zu werden?
Wäre es für Dich zum Beispiel denkbar, zumindest eine Zeit lang das Bier durch ein anderes Getränk zu ersetzen? Das wäre auch nicht für immer, wie gesagt, diese Entkoppelung schreitet ja voran, irgendwann geht's auch wieder ohne Rauchverlangen. Oder führe Salzstänglein in einer Plastikdose mit und knabber eins, statt zu rauchen. Du kannst Dir auch einen Trinkhalm auf Zigarettenlänge schneiden und durch ihn "Luft rauchen", der Vorgang ist zumindest ähnlich und kann das Gelüst schon mal beruhigen. (Und falls Du Dir Sorgen machst, es könnte irgendwie blöd sein: ich sag mal, blöder als an einem brennenden Stäbchen zu ziehen und sich Gift in die Lungen zu blasen kann es auch wieder nicht sein, und ausschauen tut es genauso.) Was Du auf jeden Fall immer machen kannst, sind die vier A-Tipps: Aufschieben, ausweichen, abhauen und ablenken. Eine detaillierte Anleitung findest Du hier:
http://www.rauchfrei-info.de/aufhoeren/tipps-fuer-ihren-rauchstopp/tipps-bei-verlangensattacken/
Schau doch mal, ob Du da etwas findest, das für Dich umsetzbar ist. Das schöne ist, das kann man jederzeit, überall und ohne logistischen Aufwand machen.
Wie gehst Du bei Deinem rauchenden Umfeld mit dem Rauchstopp um? Weiß Deine Umgebung davon, und inwieweit kannst Du da auf Verständnis, zumindest Toleranz hoffen?
Schreib bald wieder, wie es Dir geht un ob wir was für Dich tun können. Gerade die ersten Tage sind schon eine Umstellung, aber ich wünsche Dir alles Gute, viel Erfolg, gutes Gelingen und wenig Gegenwind auf Deinem tollen neuen Rauchfreiweg. Selbiges natürlich auch Deinem Freund. Ich freue mich wieder von Dir zu lesen. Bis dahin grüßt
Lydia