Liebes Tagebuch,
mit Ende des heutigen Tages (Freitag) vollende ich 7 rauchfreie Wochen.
Und wenn der Sonntag beginnt, kann ich verkünden, 50 volle Tage nicht geraucht zu haben.
Resumée:
Es ist irgendwie zu einfach :D
Natürlich ploppt immer wieder mal der Gedanke auf, eine rauchen zu wollen, nicht die Zigaretten zu vergessen, dass ich sonst in der Situation geraucht habe. Aber fast immer kann ich diese Suchtstimme durch die Aufforderung zu verschwinden oder durch Lachen über ihre stümperhaften Versuche wieder verdrängen.
Lediglich auf einer Freizeit in einer Gruppe mit vielen Rauchern war meine Suchtstimme ziemlich penetrant und dachte, mich zu einer Zigarette verführen zu können.
Aber so wie immer habe ich mich nicht auf Diskussionen mit der Suchtstimme eingelassen.
Denn das Suchthirn denkt nur an das Suchtmittel, denkt nur daran, wie die Sucht befriedigt werden kann. Daher ist eine auf Logik basierende Auseinandersetzung mit der Sucht nie möglich. Ich vergeude also nur meine Kraft, wenn ich innerlich anfange zu diskutieren, wenn meine Suchtstimme mir zuflüstert, doch eine rauchen zu können, zu wollen, zu müssen.
Macht es mir nun diese Einstellung, dieses kompromisslose Abwehren der Suchtstimme so leicht, nicht zu rauchen?
Ich denke, da kommen noch weitere Faktoren hinzu.
1. Ich kämpfe nicht gegen die Sucht an, ich habe vor ihr kapituliert.
Wenn ich das Nichtrauchen als Kampf gegen die Sucht sehe, dann kämpfe ich jeden Tag immer wieder gegen sie an. Dann ist mein restliches Leben ein dauerhafter täglicher Kampf gegen die Nikotinsucht, den ich jedoch nicht gewinnen kann, da die Sucht nicht heilbar ist, sondern mich für den Rest meines Lebens begleitet.
Wenn ich nun vor der Sucht kapituliere, dann akzeptiere ich, dass es sie mein Leben lang gibt und verstehe, dass nur ein Leben ohne Nikotion mir ermöglicht, mit dieser Sucht ohne weitere Verschlechterung meiner Gesundheit leben zu können.
2. Der Rauchstopp ist eine Notwendigkeit.
Diese Einstellung resultiert aus 1.
ich bin unheilbar suchtkrank. Ich kann diese Krankheit nur stoppen, wenn ich meinem Körper kein Nikotin mehr - und zwar nie mehr - zuführe. Es gibt da keinen Kompromiss, es gibt da kein kontrolliertes Rauchen, kein mal eine rauchen. Es gibt nur entweder - oder, ganz oder gar nicht. Und da ich mein restliches Leben frei, selbstbestimmt und nicht in Abhängigkeit von einer blöden Sucht gestalten möchte, ist es für mich notwendig, nicht zu rauchen. Die Einsicht in diese uneingeschränkte Notwendigkeit bewirkt wiederum, dass ich jegliche Diskussionen mit der Sucht abwürgen kann. Ich diskutiere mit meinem Magen ja auch nicht, ob ich irgendein Giftmix trinke oder nicht.
3. Ich sehe das Rauchen nicht als etwas Positives, den Rauchstopp damit nicht als Verzicht.
Vielmehr ist das Nichtrauchen ein Gewinn für mich.
Es gibt keinen einzigen positiven Grund zu rauchen. Stressabbau? - Das geht auch mit Atemübungen, mit Meditation. Und so gibt es für alles, was das Suchthirn mir als Grund fürs Rauchen einreden will, eine Alternative. Ich muss nur den Mut haben, nach diesen Alternativen zu suchen, sie auszuprobieren, also den bisherigen bequemen Weg zu verlassen. Und wenn ich Alternativen gefunden, diese eingeübt habe, dann werden die alternativen Mögichkeiten zu neuen ebenfalls bequemen Wegen.
Aber auch, wenn ich diese neuen Wege noch nicht gefunden und verinnerlicht habe, gewinne ich auch so beim Nichtrauchen (z.B. bessere Atmung, keine vergilbten Fingernägel, kein Gestank von kaltem Rauch, mehr Geld für schöne Dinge)
4. Ich bin ein leistungsorientierter, ehrgeiziger, perfektionistischer, verstandesgeleiteter Mensch.
Diese Merkmale, aufgrund derer ich mir mein Leben immer wieder sehr schwer gemacht habe, die mir Depressionen und auch einen Burnout beschert haben, helfen mir nun wiederum durchzuhalten.
Ich warte jetzt nicht darauf, dass irgendwann noch das böse Erwachen kommen müsse. Denn damit würde ich den Eintritt im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung fördern.
Da nehme ich vielmehr an, dass die Kombination meiner Grundanschauungen/Säulen mir einfach den Rauch-Ausstieg erleichtert. Und ich werde mir diese Säulen immer wieder vor Augen halten, um mein Leben lang achtsam zu bleiben und meine Nikotinabstinenz nicht durch "ich kann das nun nach xy Zeit kontrollieren", "eine Zigarette nach dieser xy Zeit schadet mir nicht" usw. aufs Spiel zu setzen.
LG Kyra