Liebes Tagebuch,
heute vor genau 7 Monaten war mein erster rauchfreier Tag.
Ich kann mich noch wie am ersten Tag an meine letzte Zigarette nachts erinnern, an den nicht wehmütigen, sondern mit Vorfreude, aber auch ein bisschen Angst verbundenen Gedanken.
Ich erinnere mich noch sehr gut an die Unruhe der ersten Tage.
Ich war zwar nicht drauf und dran, mir Zigaretten zu kaufen, aber keine meiner ganzen vorher überlegten Alternativhandlungen konnte ich mehr als 10 Minuten ausführen, bevor dieses Nervöswerden des gesamten Körpers wieder einsetzte.
Also wechselte ich ständig hin und her.
Heute kann ich stundenlang ein Buch lesen, puzzeln, handarbeiten usw.
Zumindest ist mir das abends beim Puzzeln und Lesen schon passiert, dass ich mich morgens um 3 h aus Vernunftgründen davon losreißen musste. Gott sei Dank konnte ich da jeweils am nächsten Morgem ausschlafen.
Ich erinnere mich noch sehr gut an die Hustenattacken morgens, nachts, tagsüber, die so schlimm waren, dass ich mir gefühlsmäßig die Lunge aus dem Leib kotzte. Ich erinnere mich an das Schamgefühl, wenn ich nachts woanders übernachtete und vergeblich versuchte, meinen Husten zu unterdrücken, um andere nicht zu stören.
Heute kann ich tief einatmen, ohne auch nur die Spur eines Hustenreizes zu verspüren. Ok, ich habe noch einen Frosch im Hals, der aber langsam kleiner wird und wahrscheinlich nichts mit dem Rauchen zu tun hat, sondern vom ständigen Husten sogar überdeckt wurde.
Ich kann mich aber auch noch gut daran erinnern, dass ich den Rauchstopp immer versuchte, mit guter Laune und mit kreativen Ideen zu unterstützen. Wer singt schon abends auf dem Weg nach Hause mit Hüpfern "Es geht mir gut, merci cheri, dass es ein Leben lang so bleibe. Es geht mir gut, so gut, es geht mir gut, so gut. merci cheriéééé." (nach Mireille Matthieu), um aufkommende Suchtgedanken zu vertreiben. (Ach ja, es hat funktioniert 😂).
Und mein Mann hat nicht die Scheidungspapiere aufgesetzt, weil ich mich zu einem unausstehlichen Ekelpaket entwickelt hätte.
Heute ploppen die Gedanken zwar immer noch auf, aber sie verschwinden schnell wieder, da ich ihnen rigoros keinen Raum lasse.
Heute habe ich immer noch meistens gute Laune. Und schlechte Tage, so sage ich mir, haben auch Noch-nie-Raucher, um der Suchtstimmer erst gar keine Angriffsfläche zu bieten, mir einreden zu wollen, das läge heute am Nicht-mehr-Rauchen.
Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich abends mit Stolz darauf, nicht geraucht zu haben, ins Bett ging, und morgens in Erinnerung an den Stolz mit dem Vorsatz aufstand, auch an diesem Tag nicht zu rauchen.
Heute vergesse ich manchmal den abendlichen Stolz, vor allem wenn ich zu lange gepuzzelt oder gelesen habe. Aber ich starte immer noch oft mit einem Lächeln auf den Lippen in den Tag.
Heute vergesse ich aber auch manchmal meine Sucht.
Da schleicht sich doch der Gedanke ein, dass ich eine rauchen könnte, dass ich doch gar nicht richtig süchtig sei, so relativ leicht mir doch das Aufhören falle
Da hat die Sucht mich überlistet. Da vergaß ich, sie sofort zu verjagen.
Das ist der Grund dafür, mir immer wieder vor Augen zu führen, dass die Nikotinsucht eine unheilbare Krankheit ist, die ich gestoppt habe, dass nur eine Zigarette sie aber wieder aufkommen lässt - wie Lippenherpes, nur viel schlimmer.
Und um nicht zu vergessen, hilft auch dieses Forum.
Daher danke ich allen verantwortlichen Personen dafür, dass es das Forum gibt.
Liebe rauchfreie Grüße Kyra