Ich habe heute mein Wohnzimmer angemietet und werde es morgen beziehen.
Mir gefällt die Vorstellung, dass ich nun hier einen eigenen Raum habe, in dem ich mich mit meinen Gedanken und Gefühlen austoben darf.
Die Wände habe ich mir in sanften Naturtönen gestrichen. Auf den Holzdielen liegt ein feinflooriger Wollteppich. Ein Sofa, einen gemütlichen Sessel, eine Kuscheldecke, eine dimmbare Stehlampe, einen Tisch und ein Regal für Bücher habe ich schon eingeräumt. Es steht auch bereits ein Buch von Marc Elsberg im Regal. Ein dickes Kissen zum Reinschreien oder Draufhauen liegt in einer Ecke. Für die gute Laune habe ich farbenfrohe Bilder an die Wände gehängt und einen Strauß frischer Frühlingsblumen auf den Tisch gestellt. Für den Morgenkaffee ist auch bereits alles vorbereitet. Also steht dem Einzug nichts mehr im Wege.
Kurz zu mir: Ich bin 62 Jahre alt, verheiratet, habe erwachsene Kinder, die mittlerweile nicht mehr zu Hause wohnen. Ich rauche mit Unterbrechungen seit mehr als 45 Jahren. Die Unterbrechungen waren von vorneherein als solche geplant (z.B. Schwangerschaften), weshalb es auch bei Unterbrechungen blieb.
Seit Mitte Dezember 2025 reifte nun in mir der Gedanke, dauerhaft mit dem Rauchen aufhören zu wollen, zumal eine COPD im Anfangsstadium festgestellt wurde und ich leistungsfähig bleiben möchte. Nach einer Vorbereitungsphase mithilfe der Suchtberatung vor Ort beginnt also morgen der erste Tag meines rauchfreien Lebens.
Dauerhaft rauchfrei heißt für mich endlich frei und unabhängig von der Sucht zu sein. Nicht die Sucht, sondern ich selbst bestimme nun über mich und mein Leben.
Daher der Titel meines Fadens.
Irgendwann steht gleich meine letzte Zigarette an. Die restlichen Zigaretten in der Schachtel werde ich dann kleingerupft in den Müll werfen. Es ist schon ein komisches Gefühl - aufgeregt, stolz und motiviert, aber auch unsicher, was mich nun erwartet.
Bis morgen.