08.10.2018
21:39 Uhrbearbeitet:
08.10.2018
22:44 Uhr
Hallo lieber Klicker, hey Autschn,
:D:D
ich freue mich so sehr über Euren Besuch, danke, danke dafür!
Wow, ich lese heute 195 Tage und klopfe mir mal selber auf die Schulter. Ich hatte in den letzten Monaten so viel auf dem Buckel, dass ich ja fast vergessen hätte, dass ich aufgehört habe zu rauchen…
Naja, fast - ganz so eine coole Socke bin ich dann doch nicht, aber zumindest habe ich nicht wieder angefangen und das in Berlin, wo fast alle gefühlt rauchen und dann auch noch im Eventgeschäft, wo eigentlich alle rauchen, selbst die Nichtraucher. Ja, ich hab mich ab und zu mal ausgegrenzt gefühlt und ja, ich war weniger drin im Geschehen als die anderen Jahre - die Verbrüderungskippe hat dann doch gefehlt. Aber so schlimm war es ja dann doch nicht, ich habs überlebt und meinen Job trotzdem hinbekommen. Und ja, ich hatte oft Lust mir eine anzuzünden und habs doch nicht getan, weil ich mich immer dann an die Hölle erinnert habe, die ich durchmachen musste, um überhaupt aufzuhören.
Und jetzt bin ich wieder in Hamburg, meiner Heimatstadt und genieße die Woche vor dem Urlaub, der am Samstag los geht. Es geht nach Ägypten, ohh da freue ich mich drauf!
Was hab ich sonst so zu berichten…ja, das Thema ‚Stimme’ hat Euch ja ziemlich interessiert und da kann ich wirklich ne Menge zu berichten…ok noch mal von vorne.
Ich bin tatsächlich Sängerin, Musikerin und seit einem Jahr sogar Studioproduzentin. Ersteres seit vielen vielen Jahren. Ich hab mit 15 ungefähr angefangen zu rauchen also eine ganze Weile schon und der Gesang und die Raucherei haben mich parallel immer schon begleitet.
Singen war allerdings schon immer problematisch. Ich hab ein ziemlich gutes Gehör aber leider wollte die Stimme ganz oft nicht so wie ich es wollte. Völlig unkontrollierbar: der Hals war ganz oft einfach zu. Verspannt, zugepresst, Schmerzen. Ich hab es all die Jahre auf Lampenfieber und schwache Nerven geschoben, wie so wenn man auf einmal keinen Ton mehr rausbekommt, weil man aufgeregt ist oder Angst hat.
Ja ich hatte Angst, hab viel geräuspert und ständig war da etwas. Die Stimme als mein Kapital, hat sich die meisten Jahre aber als sehr unzuverlässig dargestellt. Die hat gemacht was sie wollte. Es ist total blöd wenn man sich nicht auf seinen eigenen Körper verlassen kann.
Manchmal war der Gesang erste Sahne, echt wow! Dann einen Tag später eher mau und so nach dem Motto „die soll singen können“? Dann war die Stimme eine Zeitlang ganz weg, dummerweise einmal direkt nach einer abgeschlossenenMusicalausbildung. Die war natürlich stressig und in dem Abschlussjahr hab ich geraucht wie ein Schlot. Danach war sense. Ich hab das aber nie auf den Zigarettenkonsum geschoben - wie SELTSAM, ODER?!?!
Danach ging es wieder ne Zeitlang. Hab dann als Sängerin auf Kreuzfahrtschiffen gesungen und Studioprojekte eingesungen, teils ok, teils katastrophal. Das ging mal richtig gut und dann mal weniger. Irgendwann hatte ich die Nase voll und hab gar nicht mehr gesungen. Es war richtig Psychostress. Ich bin dann in die Uni und hab stattdessen Literatur und Musikwissenschaft studiert. Aus der Traum vom Singen. Zuhause hab ich allerdings weitertrainiert, hab das alles als falsche Technik eingestuft, schwache Nerven, selbst "ich kann nicht singen" u.s.w. aber NIE die Zigarette (ohh was macht das bloß aus uns??).
So und dann, vor vielen Jahren hab ich dann mal zu mir selbst gesagt „Das mit der CD und dem Singen wird erst was, wenn du aufhörst zu rauchen!“ Das war vor ganz vielen Jahren. Mein Selbstorakel...hahhaha
Und ich hab es dennoch nicht geschafft aufzuhören und hab gefühlt tausend Mal versucht wieder Musik zu machen und meine CD zu veröffentlichen, ohne jeglichen Erfolg. Und hab mich dafür echt gehasst und viele Tränen geweint und war sehr frustriert. Aber ich habs NIE, wirklich NIE auf die Zigarette geschoben. Das was ich mir selbst gesagt hatte, wurde von meinem Zigarettenmonster sowas von ignoriert.
So, und nun, vor 6 Monaten habe ich endlich aufgehört. Und in der Zwischenzeit hab ich wieder angefangen live zu spielen, in Berlin. Und ich hab eine CD aufgenommen die jetzt fertig ist und im Januar veröffentlicht wird. Und meine Stimme ist Bombe und wird voll gehypt. Und am WICHTIGSTEN…ich kann mich auf meine Stimme 100% verlassen - sie macht alles was ich will, seit dem ich aufgehört habe zu rauchen.
Kein Räuspern, kein Drücken, kein Schleim, keine Schmerzen, viel Luft, absolute Kontrolle. Es ist wie ein Wunder und teilweise gucke ich gerade echt doof aus der Wäsche. Ich bin Hellwach.
Und nun hab ich auch meine persönliche Abrechnung für meine Raucherjahre bekommen - und ja, rauchen fordert seinen Tribut. Vielleicht nicht im Lungenkrebs oder COPD in meinem Fall, aber dennoch mit etwas, dass mir viele Jahre am Herzen lag….ich habe mir jahrelang durch das Rauchen einen Traum kaputt gemacht, der hätte echt wahr werden können. Jetzt hab ich ihn zwar wahr gemacht, aber ich hab auch sehr viele wertvolle Jahre verschenkt, die für so eine Karriere wichtig gewesen wären. Ich hätte daraus echt was machen können. Aber auch ein Leistungssportler kommt halt mit rauchen nicht weit, ich glaub da sind wir uns einig. Und wenn man professionell Musik macht, dann kommt das dem Leistungssport etwa gleich. Heute stecke ich locker 5 Stunden Proberaum mit meiner Band weg. Das war bis in diesem Jahr vorher undenkbar für mich.
Und ja, es gibt viele Raucher, die machen tolle Karrieren mit Zigarette oder arbeiten als Sänger. Aber der Zigarettenkonsum macht etwas mit der Stimme, sie wird schwach und hat weniger Leistung. Man ist oft krank im Hals und das Immunsystem hat da eine Art Leck. Man ist ständig so angreifbar. Stellt Euch mal vor wie rauchende Sänger singen könnten ohne diesen Nikotinfusel….das ist alles verschenktes Talent und Perlen vor die Säue. Ich sags blöderweise und GANZ, GANZ GROßKOTZIG aus eigener Erfahrung.
Letztendlich muss es jeder für sich wissen. Ich hab zu lange nicht gewusst, wie wichtig mir Musik tatsächlich ist. Das alles was ich heute geschrieben hab ist etwas, womit ich selbst noch klar kommen muss, doch ich versuche auch nach vorn zu schauen. Man sagt ja so schön „ Hätte hätte Fahrradkette“. :roll: Es schmerzt. Meine Dummheit tut weh, die Blauäugikeit, die Schönrederei, meine eigene Naivität. Scheisse.
Ich bin froh dennoch die Kurve gekriegt zu haben und hoffe ganz doll, dass ich damit nun glücklich werden kann. Singen macht mich heute sehr glücklich. Ich quäle mich deswegen nicht mehr und frage auch nicht ständig, warum die Stimme nicht funktioniert. Denn seit einigen Monaten funktioniert sie einwandfrei. Es ist echt ein Wunder. Stattdessen muss ich mich nun bemühen mich nicht für diese verschenkten Jahre selbst zu geißeln. Das macht jetzt wenig Sinn. Aber es ist schwer. Es macht mich traurig. :cry:
Und zurück zur Zigarette will ich nie, NIE mehr.
Liebste, musikalische Grüße,
Eure Claudette.
:gitarre: