Ich habe über die Frage längere Zeit nachgedacht und muss sagen, dass die Antwort nicht einfach ist.
Meine erste Zigarette rauchte ich mit 14 Jahren, weil ich in einer neuen Schule, einer neuen Klasse dazu gehören wollte. Oberflächlich gesehen gelang es mir, weil die anderen mich dafür bewunderten, dass ich eine Selbstgedrehte sofort auf Lunge rauchte. Dabei hielt ich den Rauch im Mund, atmete durch die Nase ein und dann den Rauch beim Ausatmen mit aus.
Als ich Anschluss bei anderen nicht rauchenden Klassenkameradinnen fand, hörte ich auf zu rauchen.
Habe ich in der Zeit bis dahin gern geraucht?
Wohl eher nein. Es war notwendig, um mich nicht als Versagerin und Außenseiterin zu fühlen,
Ich fing mit knapp 16 Jahren wieder an, als ich in meiner Freizeit über meinen Bruder in eine Clique kam.
Wir trafen uns an den Wochenenden reihum in Partykellern, tranken ein Bier und rauchten. Wir hatten regelmäßige Partys mit Alkohol, Zigaretten und Musik. Wir unternahmen Maigänge mit Bollerwagen voll mit Getränken, rauchten, tranken, lachten, feierten.
Habe ich in der Zeit gern geraucht?
Ja, ich fühlte mich als Teil eines Ganzen, fühlte mich auch erwachsen und es war irgendwie cool.
Anfangs schnorrte ich bei anderen. Als die Menge stieg, kauften eine Freundin und ich gemeinsam eine Schachtel, die wir unterwegs versteckten. Dann hatte ich meine eigenen Zigaretten, stieg auf Tabak um, als die Fertigen zu teuer wurden. Ich durfte regelmäßig meine Eltern beim Nachhausekommen anhauchen und regelmäßig hielt mir mein Vater einen ellenlangen Vortrag über die Gefährlichkeit des Rauchens - mit Zigarette in der Hand und vernebeltem Wohnzimmer.
Habe ich in der Zeit gern geraucht?
Ich weiß es nicht, da ich da schon süchtig war.
Ich denke aus heutiger Sicht, dass mein Suchthirn mir einredete, gerne zu rauchen, damit ich mich nicht mit den Gefahren des Rauchens und einem daraus resultierenden Rauchstopp auseinandersetzen musste.
Es gab danach Zeiten, in denen ich erneut nicht rauchte, die jedoch nicht von Dauer waren, da es sich entweder um unbedingte vorübergehende Notwendigkeiten wie Schwangerschaften oder um halbherzige Versuche handelte.
Als ich dann wieder rauchte, freute ich mich auf die Zigarette zum Kaffee, auf die Zigarette nach dem Essen, auf die Zigarette nach getaner Arbeit.
Ich freute mich auf die entspannende Wirkung des Rauchens bei Stress, auf die konzentrationsfördernde Wirkung der Zigarette beim Lernen oder bei der Ausarbeitung irgendwelcher Abhandlungen.
Rauchte ich da gerne?
Auf jeden Fall war ich davon überzeugt.
Auf der anderen Seite erinnere ich mich an die Zigarette, die ich mir ansteckte, bevor die Autotür bei einem Stopp zu war, an die Zigarette, nachdem ich den ersten Fuß aus einem Gebäude gesetzt hatte, an die hastig gerauchten Zigaretten auf dem Weg irgendwohin, an die immer größere Unruhe, wenn ich nicht rauchen konnte.
Habe ich gerne geraucht?
Nein, das war reines Zwangsrauchen und hatte nichts mehr mit Genuss zu tun.
Abschließend würde ich aus heutiger Kenntnis antworten:
Ich rauchte, um damit Ziele zu erreichen.
Ich rauchte, um unbewusst beginnenden Entzugserscheinungen entgegenzuwirken.
Ich bildete mir lediglich, aber sehr überzeugend ein, gerne geraucht zu haben, obwohl ich einfach nur süchtig war.
Eins weiß ich wiederum mit Sicherheit:
Ich bin gerne Nichtmehrraucherin. Und das bilde ich mir nicht ein.