Ob jemand raucht oder nicht, scheint auf den ersten Blick eine persönliche Entscheidung zu sein. Und tatsächlich ist es ja auch jeder (erwachsenen) Person selber überlassen, mit dem Rauchen oder Vapen anzufangen oder aufzuhören. Doch diese Entscheidung fällt nicht im luftleeren Raum. Preise, Werbung, gesellschaftliche Gewohnheiten, rauchfreie Arbeitsplätze und Unterstützungsangebote beeinflussen mit, wie leicht Menschen mit dem Rauchen anfangen – und wie gut ein Rauchstopp gelingen kann. Dieser Gedanke steht im Mittelpunkt der Ottawa-Charta, die vor 40 Jahren verabschiedet wurde.
Wegweisendes Dokument für die Gesundheitsförderung
Im November 1986 kamen Fachleute aus zahlreichen Ländern im kanadischen Ottawa zur ersten internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung zusammen. Das Ergebnis war die sogenannte Ottawa-Charta. Sie prägte ein Verständnis von Gesundheit, das bis heute wegweisend ist: Menschen sollen darin gestärkt werden, mehr Einfluss auf ihre Gesundheit zu gewinnen. Gesundheit wird dabei nicht nur als Ergebnis persönlichen Verhaltens verstanden, sondern auch als Folge der Lebensbedingungen.
Zu diesen Lebensbedingungen gehören zum Beispiel Bildung, Einkommen, Wohnverhältnisse, Unterstützung durch andere Menschen und die Bedingungen am Arbeitsplatz. Die Charta formulierte deshalb fünf zentrale Handlungsfelder: eine gesundheitsfördernde Politik, unterstützende Lebenswelten, gemeinschaftliches Handeln, die Entwicklung persönlicher Fähigkeiten und eine Gesundheitsversorgung, die stärker auf Vorbeugung ausgerichtet ist. Gesundheitsförderung ist demnach nicht allein Aufgabe des Gesundheitswesens, sondern eine gemeinsame gesellschaftliche Verantwortung.
Was die Ottawa Charta mit dem Rauchen zu tun hat
Am Beispiel des Rauchens wird dieser Ansatz der gemeinsamen Verantwortung besonders anschaulich. Natürlich braucht es für einen Rauchstopp eine persönliche Entscheidung. Doch der Weg dorthin kann durch die Umgebung erleichtert oder erschwert werden. Verständliche Gesundheitsinformationen und leicht erreichbare Beratungsangebote stärken die eigenen Möglichkeiten. Rauchfreie öffentliche Räume schützen vor Passivrauch und können dabei helfen, weniger häufig ans Rauchen erinnert zu werden. Werbeverbote und deutlich sichtbare Warnhinweise begrenzen Einflüsse, die Tabakkonsum attraktiv oder alltäglich erscheinen lassen.
Auch das menschliche Umfeld spielt eine wichtige Rolle. Eine rauchfreie Pause mit Kolleginnen und Kollegen, Verständnis in der Familie oder ein ermutigendes Gespräch können mehr bewirken als gut gemeinte Ermahnungen. Die WHO zählt umfassende Rauchverbote, Werbebeschränkungen, gesundheitliche Warnhinweise, höhere Tabaksteuern und Unterstützungsangebote zum Rauchstopp zu den wirksamen Maßnahmen der Tabakprävention.
Gute Bedingungen und dann: der eigene nächste Schritt
Die Ottawa-Charta erinnert auch nach 40 Jahren daran: Gesundheit entsteht dort, wo Menschen leben, lernen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen. Gute Rahmenbedingungen nehmen niemandem die Entscheidung ab. Sie können aber dazu beitragen, dass eine gesunde Entscheidung leichter wird.
Das gilt auch für den Rauchstopp. Man kann ihn allein schaffen – kann sich jedoch auch Unterstützung suchen. Informationen, Beratung und der Austausch mit anderen können den Weg spürbar erleichtern. In unserer rauchfrei-Community unterstützen sich Menschen im Forum und im wöchentlichen Chat gegenseitig beim Aufhören und beim „Rauchfreibleiben“. Eine besonders persönliche Begleitung bieten die ehrenamtlichen rauchfrei-Lotsen: Ehemalige Raucherinnen und Raucher geben ihre Erfahrungen weiter und stehen Menschen zur Seite, die sich auf den Weg in ein rauchfreies Leben machen.
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