Ein Glas Wein oder Bier am Abend, dazu eine Zigarette – für nicht wenige Menschen gehört das zusammen. Was als gewohntes Feierabendritual oder „kleine Auszeit“ erlebt wird, hat eine Kehrseite, die es in sich hat: Alkohol und Tabak verstärken sich gegenseitig in ihrer gesundheitsschädlichen Wirkung. Insbesondere das Krebsrisiko steigt deutlich.
Im Duo noch riskanter
Rauchen und Alkoholkonsum sind bereits für sich genommen mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden. Beide können zahlreiche Krankheiten verursachen und abhängig machen. Werden sie gleichzeitig konsumiert, kommt ein zusätzlicher Effekt hinzu: Die schädlichen Wirkungen verstärken sich gegenseitig – und das gesundheitliche Gesamtrisiko steigt deutlich an. Besonders sichtbar wird das beim Krebsrisiko. Untersuchungen zeigen, dass die Kombination von Alkohol und Tabak das Risiko für Krebserkrankungen im Mund- und Rachenraum, im Kehlkopf und in der Speiseröhre deutlich erhöht. Dabei gilt: Mit steigender Konsummenge nimmt auch das Risiko zu.
Beispiel Kehlkopfkrebs
So belegen Untersuchungen, dass das Risiko für Kehlkopfkrebs bei gleichzeitig starkem Rauchen und höherem Alkoholkonsum um ein Mehrfaches erhöht ist – in einzelnen Berechnungen sogar auf das über 30-Fache im Vergleich zu Menschen, die weder rauchen noch Alkohol trinken. Die genauen biologischen Mechanismen für diesen Effekt sind noch nicht vollständig geklärt. Fachleute vermuten unter anderem, dass Alkohol die Schleimhäute durchlässiger macht und dadurch krebserzeugende Stoffe aus dem Tabakrauch leichter in den Körper gelangen können.
Das Wechselspiel von Alkohol und Nikotin
Nikotin wirkt eher anregend, Alkohol tendenziell entspannend. Zusammen erzeugen sie ein „Wechselspiel“: Nikotin wirkt dem dämpfenden Effekt des Alkohols entgegen. Umgekehrt kann Alkohol die als angenehm empfundene Wirkung von Nikotin verstärken. Mit der Zeit gewöhnt sich der Körper an diese Kombination. Die Folge: Es werden größere Mengen benötigt, um die gleiche Wirkung zu spüren. Gleichzeitig entstehen feste Verknüpfungen – etwa zwischen bestimmten Orten, Getränken oder Situationen und dem Griff zur Zigarette. Oder zwischen dem Anzünden einer Zigarette und der Lust auf ein begleitendes alkoholisches Getränk. Diese sogenannten „Auslöser“ können das Verlangen nach beiden Substanzen verstärken.
Warum Alkohol den Ausstieg erschweren kann
Viele, die mit dem Rauchen aufhören, kennen solche Situationen: In geselliger Runde, mit einem Getränk in der Hand, steigt das Verlangen nach einer Zigarette plötzlich wieder an. Und tatsächlich kann Alkohol das Risiko für einen Rückfall nach einem Rauchstopp erhöhen. Statistiken zeigen zudem: Ein Großteil der Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit rauchen auch. Die beiden Abhängigkeiten können sich gegenseitig stabilisieren und den Ausstieg erschweren.
Strategien für den rauchfreien Alltag
Gerade in den ersten Wochen und Monaten nach dem Rauchstopp lohnt es sich, den eigenen Alkoholkonsum besonders aufmerksam zu betrachten. Alkohol kann das Verlangen nach einer Zigarette verstärken und gewohnte Muster schnell wieder aktivieren. Viele Menschen berichten, dass ihnen der Ausstieg leichter fällt, wenn sie zunächst auf Alkohol verzichten oder ihn zumindest deutlich reduzieren.
Hilfreich kann es sein, typische Situationen im Voraus zu planen: Was trinken Sie stattdessen? Wie reagieren Sie, wenn das Verlangen aufkommt? Auch kleine Strategien machen einen Unterschied – etwa langsamer trinken, alkoholfreie Alternativen wählen oder bewusst Pausen einlegen. In geselligen Runden kann es entlastend sein, offen zu sagen, dass Sie gerade aufhören zu rauchen.
Mit der Zeit gewinnen viele wieder mehr Sicherheit im Umgang mit solchen Situationen. Entscheidend ist: Sie bestimmen das Tempo. Jeder Abend, an dem Sie bewusst anders handeln als früher, stärkt Ihre neue Gewohnheit – und macht den Rauchstopp stabiler.