Der Nichtraucherschutz in Deutschland (und vielen anderen Ländern) hat dazu beigetragen, dass zahlreiche Bereiche unseres Alltags heute rauchfrei sind: zum Beispiel Züge und die meisten Arbeitsplätze und Restaurants. Diese Regelungen finden breite Zustimmung in der Bevölkerung. Kaum jemand möchte heute noch seine Portion Nudeln in einer verqualmten Gaststätte essen oder am Arbeitsplatz ständig den Zigarettenrauch anderer einatmen. Vor einigen Jahren bzw. Jahrzehnten gehörte beides noch zum Alltag. Aus heutiger Sicht kaum vorstellbar: Selbst in Flugzeugen gab es einmal Raucherbereiche. Das bedeutet, dass auch Menschen, die selber nicht geraucht haben, an diesen Orten jede Menge Tabakqualm abbekommen haben.
„Mitrauchende“ tragen gesundheitliche Risiken
Von Passivrauchen spricht man, wenn Menschen den Tabakrauch anderer einatmen. Dazu gehören sowohl der ausgeatmete Rauch als auch der Rauch, der von einer brennenden Zigarette ausgeht. Tabakrauch enthält zahlreiche gesundheitsschädliche Stoffe. Besonders in Innenräumen ist die gesundheitliche Belastung hoch. Eine US-amerikanische Studie hat nun untersucht, wie viele Menschen weltweit nach wie vor dem Tabakrauch anderer ausgesetzt sind – und welche gesundheitlichen Folgen das Passivrauchen haben kann.
767 Millionen Kinder sind Tabakrauch ausgesetzt
Für die Studie sichteten die Forschenden Daten aus 204 Ländern und Gebieten, allesamt aus dem Jahr 2023. Ihre Auswertung ergab, dass weltweit rund 2,7 Milliarden Menschen Passivrauch ausgesetzt waren. Darunter befanden sich etwa 767 Millionen Kinder bis 14 Jahre – mehr als jedes vierte Kind weltweit. Wie zu erwarten, fiel die Passivrauch-Belastung regional sehr unterschiedlich aus. Besonders hoch war der Anteil der Betroffenen in Südost- und Ostasien sowie Ozeanien: Dort war fast jeder zweite Mensch Passivrauch ausgesetzt. Auch Alter und Geschlecht spielten eine Rolle. Frauen waren weltweit häufiger betroffen als Männer.
Koronare Herzkrankheit ist die häufigste Krankheitsfolge des Passivrauchens
Die Studienverantwortlichen leiten aus ihrer Auswertung ab, dass im Jahr 2023 weltweit schätzungsweise 1,66 Millionen Todesfälle auf Passivrauchen zurückzuführen waren. Die Grundlage für diesen Schätzwert bilden wissenschaftliche Modellrechnungen. Hierfür werden Daten zur Verbreitung des Passivrauchens mit Erkenntnissen über die damit verbundenen Erkrankungsrisiken kombiniert. Die größte Krankheitslast durch Passivrauchen entfiel auf die koronare Herzkrankheit, bei der die Durchblutung des Herzmuskels beeinträchtigt ist. Bei Kindern standen Infektionen der unteren Atemwege im Vordergrund.
Die Studienergebnisse zeigen auch Fortschritte beim Thema „Passivrauchen“. So ging der Anteil der Menschen, die Passivrauch ausgesetzt waren, zwischen 1990 und 2023 um rund 22 Prozent zurück. Weil die Weltbevölkerung in dieser Zeit jedoch gewachsen ist, blieb die absolute Zahl der Betroffenen nahezu unverändert.
Rauchfreie Räume schützen am zuverlässigsten
Die Ergebnisse machen deutlich, wie wichtig rauchfreie öffentliche Orte, Arbeitsplätze und private Räume für unsere Gesundheit sind. Lüften, ein geöffnetes Fenster oder das Rauchen in einem anderen Zimmer können die Belastung zwar verringern, aber nicht vollständig verhindern. Am zuverlässigsten schützt ein konsequentes Rauchverbot in allen Innenräumen.
Übrigens: Eine Rauchverbotsregelung kann auch ein Anlass sein, über den eigenen Tabakkonsum nachzudenken. Wenn daraus der Wunsch entsteht, mit dem Rauchen aufzuhören: Wir unterstützen Sie gerne. Mehr Informationen unter Mein Rauchstopp. Gleichgesinnte treffen Sie in unserer rauchfrei-Community.