COPD: weit verbreitet in Deutschland

14.03.2018  - Immer wieder ist an dieser Stelle von der Lungenkrankheit COPD die Rede. Das verwundert nicht, wenn man weiß, dass Rauchen einer der Hauptrisikofaktoren für die Erkrankung ist. Immer noch ist COPD (englisch für chronic obstructive pulmonary disease) jedoch vielen Menschen unbekannt, darunter vielen Raucherinnen und Rauchern. Das ist ein weiterer Grund für uns, regelmäßig über das Thema zu berichten.

6 von 100 Menschen in Deutschland an COPD erkrankt

Doch wie verbreitet ist die chronische Erkrankung in Deutschland eigentlich? Und welche Bevölkerungsgruppen sind besonders von ihr betroffen, mal abgesehen von der Gruppe der Raucherinnen und Raucher?

Auskunft gibt eine Studie des Robert-Koch-Instituts, bei der über 24.000 zufällig ausgewählte Menschen befragt wurden. Das zentrale Ergebnis der Untersuchung: Sechs Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland sind an COPD erkrankt. Bei älteren Menschen ist die Erkrankungsrate erwartungsgemäß am höchsten: Zwölf Prozent der befragten Personen im Alter von mindestens 65 Jahren gaben an, an COPD erkrankt zu sein. In dieser Altersgruppe ist der Anteil der Menschen mit der Diagnose „COPD" also doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung.

Eine in der Gesundheitsforschung häufig auftretende Tendenz zeigte sich auch bei dieser Untersuchung: Bei Personen aus sogenannten „unteren Bildungsgruppen" – als Grundlage wird hier der letzte formale Schulabschluss (also zum Beispiel Haupt-, Realschule oder Gymnasium) gewählt – ist die COPD-Diagnose verbreiteter als in höheren Bildungsgruppen.

 

Wie zuverlässig sind diese Schätzungen?

Alle genannten Prozentwerte beruhen auf Selbstaussagen in Befragungen. Das lässt die Vermutung zu, dass die eigentliche Erkrankungsquote in der Bevölkerung noch höher sein dürfte. Denn viele Menschen wissen nicht, dass sie an COPD erkrankt sind und können diese Diagnose dann natürlich auch nicht in einer Befragung angeben. Untersuchungen, die in der Vergangenheit mit Hilfe von Lungenfunktionstests durchgeführt wurden, ergaben auch tatsächlich höhere Krankheitsraten. Ein Vorteil dieser Vorgehensweise besteht darin, dass dabei auch jene Menschen mit zu den Erkrankten gezählt werden können, die – bis zur Durchführung der Untersuchung – noch keine medizinische Diagnose erhalten hatten. Ein Nachteil von COPD-Untersuchungen auf Basis von Lungenfunktionstests ist allerdings zum einen der hohe Aufwand. Zum anderen gehört zu einer COPD-Diagnose noch mehr als eine festgestellte Verengung der Bronchien (=Ergebnis des Lungenfunktionstests), so dass in diesen Studien in die Gruppe der „COPD-Kranken" auch Personen fallen könnten, die sich bei ausführlicherer Untersuchung nicht als solche entpuppen würden.

Als Fazit lässt sich formulieren, dass die genannten Prozentwerte eine zuverlässige Schätzung darüber sind, wie verbreitet die Diagnose COPD in Deutschland ist. Die Zahl der Erkrankten dürfte noch höher sein. Umso wichtiger, dass möglichst viele Menschen in Deutschland über die Erkrankung Bescheid wissen. Die rauchfrei-Kampagne hat ein Faktenblatt mit interessanten Informationen über die chronische Lungenerkrankung entwickelt, das Sie hier direkt herunterladen können. Die wichtigste Vorbeugungsmaßnahme ist der Rauchstopp, hilfreiche Tipps finden Sie unter Aufhören.

Quelle:
Steppuhn H, Kuhnert R, Scheidt-Nave C (2017) 12-Monats-Prävalenz der bekannten chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) in Deutschland. Journal of Health Monitoring 2(3): 46–54. DOI 10.17886/RKI-GBE-2017-053