Tabakabhängigkeit

Rauchen macht süchtig

Rauchen macht sehr schnell abhängig. Die Sucht nach der Zigarette zeigt sich bei Rauchenden auf ganz unterschiedliche Art, zum Beispiel

  • in Form eines Unruhegefühls, wenn keine Zigaretten mehr in der Schachtel sind
  • durch einen starken Drang, eine Zigarette rauchen zu wollen
  • durch Entzugserscheinungen nach einem Rauchstopp
  • wenn Rauchende „vor-“ oder „nachrauchen“, falls einmal eine längere Zeit keine Möglichkeit zum Rauchen besteht
  • wenn zumeist wider besseren Wissens Nachteile in Kauf genommen werden, um weiter zu rauchen (es wird beispielsweise auch dann nicht von der Zigarette gelassen, wenn bereits erste Atemschwierigkeiten spürbar sind).

Rauchende gelten als tabakabhängig, wenn drei der folgenden sechs Kriterien des Internationalen Krankheitskriterien-Katalogs (ICD-10, F17.2) zutreffen:

  • Toleranzentwicklung: Es werden zunehmend höhere Dosen erforderlich
  • Körperliche Entzugserscheinungen bei Beendigung oder Reduktion des Konsums
  • Starker Drang, Tabak zu konsumieren
  • Keine volle Kontrolle über Beginn, Beendigung und Menge des Konsums
  • Zunehmende Vernachlässigung anderer Aktivitäten zugunsten des Tabakkonsums
  • Anhaltender Konsum trotz Bewusstsein über die schädlichen Folgen

In einem anderen anerkannten Klassifikationssystem (DSM V) werden vergleichbare Kriterien für eine Tabakabhängigkeit genannt. Zusätzlich wird dort noch ein „hoher Zeitaufwand für den Konsum“ als Hinweis auf eine Abhängigkeit erwähnt.

Auch ein geringer Tageskonsum von weniger als sechs Zigaretten pro Tag kann süchtig machen. Einer Studie (1) zu Folge sind Kinder und Jugendliche ganz besonders gefährdet: 80 Prozent der Jugendlichen, die bis zu 5 Zigaretten täglich rauchen, weisen schon mindestens eines der genannten Kriterien auf. Wie hoch das Abhängigkeitspotential des Rauchens ist, zeigt auch folgendes Untersuchungsergebnis: Jugendliche Raucherinnen und Raucher aus Kalifornien wurden gefragt, ob sie „in den nächsten Jahren“ mit dem Rauchen aufhören wollten oder nicht. Ganze 95 Prozent sagten: „Ja, ich möchte in naher Zukunft rauchfrei werden.“ Acht Jahre später  – als junge Erwachsene – wurden sie erneut befragt. Das Resultat: Es rauchten immer noch 75 Prozent von ihnen.

Um den Grad der Tabakabhängigkeit festzustellen, wurde ein international anerkanntes Verfahren entwickelt, der sogenannte Fagerström-Test. Auf der Seite "Fagerström-Test" können Sie den Test machen, sie erhalten danach individuelle, auf Ihr Testergebnis abgestimmte Tipps für Ihren Rauchstopp.

Die Abhängigkeit von der Zigarette hat eine körperliche und eine psychische Komponente. Den Tabakkonsum als Sucht zu verstehen heißt aber nicht, ihr hilflos ausgeliefert zu sein! Im Gegenteil: Ein besseres Verständnis der körperlichen und seelischen Zusammenhänge der Tabakabhängigkeit kann dabei helfen, Entzugserscheinungen zu erkennen und sie dann mit einer passenden Strategie zu mildern. Oder besser noch: ihnen vorzubeugen. Tipps gegen Entzugserscheinungen finden Sie hier.

Quellen

[1] Di Franza, JR, Rigotti, NA, Mc Neill, AD et al. Initial symptoms of nicotine dependence in adolescents. Tobacco Control. 2000; 9: 313-319.

[2] Sussman, S., Dent, C. W., Severson, H., Burton, D., & Flay, B. R. (1998). Self-initiated quitting among adolescent smokers. Preventive Medicine: An International Journal Devoted to Practice and Theory, 27(5, Pt 3), A19-A28. http://dx.doi.org/10.1006/pmed.1998.0379[PS1]

 

 

 

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Audiobeiträge

Stimmt es eigentlich, dass das Rauchen weniger Zigaretten am Tag nicht so schlimm ist?

Downloads

Tabakabhängigkeit. Suchtmedizinische Reihe Band 2
Wissenschaftliches Kuratorium Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V., Hamm, 4. Vollständig überarbeitete und neugestaltete Auflage, März 2013

Fakten zum Rauchen: Nikotin
Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg, 2008