rauchfrei unterwegs – du und dein Kind

Passivrauchen ist gesundheitsschädlich: Der Tabakrauch vermischt sich mit der Umgebungsluft und wird dann von allen, die sich im gleichen Raum oder auch nur in der Nähe aufhalten, eingeatmet. Die Schadstoffe, die mit jedem Atemzug in den Organismus gelangen, sind die gleichen, die auch die Raucherin oder der Raucher inhaliert. Gerade der Rauch, der von der glimmenden Zigarette ausgeht (sogenannter Nebenstromrauch), enthält einige Giftstoffe in sehr hoher Konzentration.

Im Auto, also auf engstem Raum, steigt der Schadstoffgehalt in der Luft besonders schnell an. Gefährdet sind alle Mitfahrenden, besonders hoch ist das Risiko für Kinder.

Auf die Risiken des Rauchens im Auto macht die Kampagne „rauchfrei unterwegs – du und dein Kind“ aufmerksam.

Zigarette im Auto: innerhalb von Minuten werden hohe Schadstoffwerte erreicht

Kurze Zeit nach dem Anstecken einer Zigarette im Auto werden höhere Werte als in einer Raucherkneipe erreicht. Das Fenster zum Lüften öffnen, ändert nur wenig daran. Praxistests ergaben: Trotz geöffnetem Fenster werden innerhalb von Minuten hohe Schadstoffwerte in der Luft gemessen.

Die folgende Abbildung zeigt die Ergebnisse eines Praxistests im Auto. Es wird deutlich, wie stark (und wie schnell) die Konzentration der Schadstoffe im Wageninneren zunimmt. Das Testgerät wurde in Kopfhöhe des Beifahrers, also auf dem Vordersitz, angebracht.

Abbildung 1: Luftbelastung mit Tabakrauchpartikeln in einem Raucherfahrzeug im zeitlichen Verlauf. Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum 2010. Darstellung: Deutsches Krebsforschungszentrum, Stabsstelle Krebsprävention, 2016

 

So lief der Test ab: Nach fünfminütiger Fahrt wurde erstmals eine Zigarette angezündet (in der Abbildung: „1. Zigarette an“), dabei war ein Fenster einen Spalt weit geöffnet. Schnell erreicht die Giftstoffkonzentration einen Spitzenwert. Nach dem Ausdrücken der Zigarette brauchte es etwa 20 Minuten, bis keine Schadstoffe mehr gemessen werden konnten. Die zweite Zigarette (in der Abbildung: „2. Zigarette an“) erreicht einen geringeren Wert, denn in diesem Fall war das Fenster auf Fahrerseite ganz geöffnet. Und dennoch steigt die Menge der Schadstoffpartikel so stark an, als wäre man in einer verrauchten Gaststätte.

Andere Untersuchungen bestätigen diese Ergebnisse und zeigen, dass auch auf dem Rücksitz – auf Kopfhöhe von Kindern – eine hohe Giftstoffkonzentration erreicht wird. Unter den Substanzen sind unter anderem krebserregende Stoffe zu finden, zum Beispiel sogenannte „polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe“ (PAK) oder Benzol.

Aber auch längst nachdem die Zigarette ausgedrückt wurde, hinterlässt sie noch – für das menschliche Auge unsichtbare – Spuren: in Form von Rückständen, die sich auf den Oberflächen im Wagen und in den Polstern absetzen. Bei Berührung können die feinen Partikel aufgewirbelt werden und gelangen darüber wieder in die Atemluft.

Rauchfrei im Auto unterwegs, vor allem wenn Kinder unterwegs sind

Kinder sind vom Passivrauchen im Auto in besonderer Weise betroffen:

  • Sie atmen häufiger ein und nehmen dadurch mehr Giftstoffe auf.
  • Ihre Organe entwickeln sich noch und reagieren sensibel auf Tabakrauch.
  • Passivrauchen kann dazu führen, dass sich die Lungen der Kinder schlechter entwickeln. Auch Atemwegbeschwerden und Mittelohrentzündungen treten in Folge des unfreiwilligen „Mitrauchens“ vermehrt auf.
  • Die Fähigkeit des Körpers, Giftstoffe wieder loszuwerden, ist bei Kindern weniger gut entwickelt.

Und zuletzt: Während sich Erwachsene ihren Aufenthaltsort in den allermeisten Fällen selber aussuchen können, haben vor allem jüngere Kinder diesen Freiraum nicht. Sie sind den Umgebungsbedingungen ausgesetzt und können sich einer verrauchten Umwelt (noch) nicht entziehen.

Rauchverbot im Auto, wenn Kinder dabei sind: Die meisten sind dafür

Bei einer Umfrage aus dem Jahr 2015 gaben vier von 100 Befragten1 an, dass sie im Auto rauchen, auch wenn Kinder mitfahren. In der Bevölkerung gibt es eine große Mehrheit (knapp neun von zehn Befragten, 87 Prozent), die sich für ein Rauchverbot im Auto2 ausspricht, sobald Kinder an Bord sind.

Tipps für eine rauchfreie Fahrt:

  • Wenn Sie alleine über das Auto bestimmen können: Erklären Sie Ihren Wagen zum „Nichtraucherauto“ und bitten Sie auch Mitfahrende, sich daran zu halten.
  • Falls Sie das Auto mit jemandem teilen, der im Auto rauchen möchte: Es gibt gute Argumente gegen das Rauchen im Auto, zum Beispiel auf dieser Seite.
  • Bei geöffnetem Fenster an der Zigarette ziehen, reicht nicht als Schutz gegen hohe Schadstoffkonzentrationen, die Lüftung anmachen ebenfalls nicht.
  • Manche Menschen rauchen während der Fahrt, obwohl sie wissen, dass es für sie und die Mitfahrenden schädlich ist. Zum Beispiel weil es ihnen schwer fällt, eine (mehr oder weniger) längere Zeit auf die Zigarette zu verzichten. Hier können Kaugummis oder Knabberzeug helfen, die rauchfreie Phase zu überbrücken. Immer mal wieder eine Pause einlegen, senkt den Stresslevel – eine gute Voraussetzung, nicht ans Rauchen denken zu müssen.
  • Nicht auf die Zigarette verzichten zu können ist ein klares Signal für eine Abhängigkeit vom Rauchen. Wer sich davon befreien möchte, findet Unterstützung in der Rubrik Aufhören.

Mehr zur Kampagne „rauchfrei unterwegs - du und dein Kind“

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Die Kampagne "rauchfrei unterwegs - du und dein Kind" wurde im Jahr 2016 von der damaligen Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler ins Leben gerufen. Gemeinsam mit zahlreichen Partnerinnen und Partnern wurde Informationsmaterial an alle niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte bzw. -ärztinnen versandt, die Aktion im Internet und den sozialen Medien der beteiligten Partnerinnen und Partner kommuniziert, das Thema "rauchfrei unterwegs" in den verschiedenen Verbands-, Mitglieder- und Fachzeitschriften aufgegriffen sowie umfassendes Informationsmaterial an alle deutschen Landkreise versandt


Überblick der aktuellen Kampagnenpartner und -partnerinnen (in alphabetischer Reihenfolge):
ACE Auto Club Europa
AG Teddybärkrankenhaus der Charité
Berufsverband der Kinder und Jugendärzte
BundesärztekammerBundeselternrat
Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände
Bundezentrale für gesundheitliche Aufklärung
Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin
Deutsche Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin
Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin
Deutscher Städte- und Gemeindebund
Deutsches KinderhilfswerkDeutsches Krebsforschungszentrum
Deutsches Netz Rauchfreier Krankenhäuser & Gesundheitseinrichtungen
FÖTED-Föderation Türkischer Elternvereine in Deutschland
Rolf Zuckowski

 

 

 

 Quellen:

2 Schaller K, Braun S & Pötschke-Langer M (2014) Erfolgsgeschichte Nichtraucherschutz in Deutschland: Steigende Unterstützung in der Bevölkerung für gesetzliche Maßnahmen. Gesundheitsmonitor Newsletter 04/2014, Bertelsmann Stiftung und Barmer GEK, Gütersloh

3 Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.) Gesundheitsgefährdung von Kindern durch Tabakrauch im Auto. Fakten zum Rauchen, Heidelberg, 2016