Besondere Risiken Frauen

Frauen sind anfälliger für die Gesundheitsrisiken des Rauchens

Eine Vielzahl von Studien zeigt, dass Frauen anfälliger für die gesundheitsschädlichen Wirkungen des Rauchens sind als Männer. Sie reagieren offenbar empfindlicher auf den giftigen Tabakrauch und haben in der Folge ein besonders hohes Risiko für eine Reihe von Krankheiten.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Rauchen führt zu einer Verengung und Verhärtung von Blutgefäßwänden (Arteriosklerose). Dadurch werden der Blutfluss und die Sauerstoffversorgung des Herzens eingeschränkt. In Folge dessen steigt das Risiko etwa für einen Herzinfarkt oder eine periphere Verschlusskrankheit (Verengung an den Arterien der Arme und Beine).

Eine groß angelegte Langzeituntersuchung aus Dänemark ergab, dass bei Frauen bereits geringere Tabakmengen ausreichen, um die Wahrscheinlichkeit für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung deutlich zu erhöhen. Das Risiko für einen Herzinfarkt lag bei Raucherinnen um 140 Prozent höher als bei nichtrauchenden Frauen. Im Vergleich dazu stieg bei Männern das Herzinfarktrisiko um 40 Prozent gegenüber Nichtrauchern.

Eine weitere Untersuchung nahm Patientinnen und Patienten in den Fokus, die in den Jahren 2009 bis 2014 wegen eines Infarkts (sogenannte „STEMI“: eine Erkrankung, bei der ein Gerinnsel das Blutgefäß meist vollständig verschließt) in einem englischen Krankenhaus behandelt wurden. Nahezu die Hälfte der über 3.000 in diesem Zeitraum stationär aufgenommenen Menschen waren Raucherinnen bzw. Raucher. Die Studie konnte zeigen, dass Tabakkonsum das Infarktrisiko erhöhte – sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Das Risiko für Frauen war jedoch deutlich höher, unabhängig von ihrem Alter. Besonders deutlich stieg das Infarktrisiko bei Frauen zwischen dem 18. und 49. Lebensjahr, also in vergleichsweise jungen Jahren. Das Infarktrisiko für Raucherinnen in dieser Altersspanne war 13 Mal höher als das für gleichaltrige Frauen, die nicht rauchten. Bei männlichen Rauchern in der gleichen Altersgruppe war das Risiko um den Faktor 9 erhöht. Fachleute erklären sich diese erhöhte Gefährdung für die Herzgesundheit von Frauen über den Effekt, den Tabakkonsum auf die Produktion des Hormons Östrogen hat. Östrogen schützt Herz- und Blutgefäße von Frauen. Tabakkonsum beeinträchtigt die Herstellung von Östrogen im Körper von rauchenden Frauen, die dadurch vor Herzkrankheiten weniger gut geschützt sind.

Raucherinnen, die Hormone einnehmen (zum Beispiel über die Antibabypille), setzen sich einem nochmals vielfach erhöhten Herzinfarktrisiko aus. Die Gefährdung, einen Schlaganfall zu erleiden, steigt ebenfalls deutlich an.

Atemwegserkrankungen

Tabakrauch schädigt die Atemwege. Die im Rauch enthaltenen giftigen Substanzen führen zum Beispiel zu einer Entzündung der Bronchialzellen und sorgen für eine vermehrte Produktion von Bronchialschleim. Gleichzeitig werden die feinen Flimmerhärchen der Bronchialschleimhaut geschädigt. Dadurch wird der Selbstreinigungsmechanismus der Atemwege stark beeinträchtigt. Die Folge: Menschen, die rauchen, erkranken häufiger an Bronchitis oder Lungenentzündung.
In den letzten Jahren mehren sich Hinweise auf eine stärkere Anfälligkeit von Frauen gegenüber einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). So leiden Frauen bei gleicher Rauchdauer und Zigarettenanzahl offenbar stärker unter einer COPD als Männer. Ihre Lungenwände sind zum Beispiel stärker verdickt als bei männlichen Patienten. Dadurch fällt ihnen das Atmen schwerer.

Ein konsequenter Rauchstopp ist der wichtigste Schritt bei der Behandlung einer COPD. Frauen profitieren nach einem Rauchausstieg schneller von einer Verbesserung ihrer Lungenfunktion als Männer.
Krebserkrankungen

Rauchen verursacht zwischen 25 und 30 Prozent aller Krebserkrankungen, darunter Lungen-, Mundhöhlen-, Kehlkopf-, Speiseröhren-, Bauchspeicheldrüsen-, Blasen- und Nierenkrebs. Bei Frauen begünstigt das Rauchen zudem die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs. Auch wurden vermehrt Hinweise für einen Zusammenhang zwischen Rauchen und der Entstehung von Brustkrebs gefunden.
Ungefähr 8 von 10 aller tödlich verlaufenden Lungenkrebserkrankungen werden durch das Rauchen verursacht. Seit vielen Jahren steigt die Anzahl der Frauen, die in Folge einer Lungenkrebserkrankung sterben, während diese Zahl bei den Männern stagniert. Ein Beispiel: Während im Jahr 2001 noch 9.996 Frauen an Lungenkrebs starben, war im Jahr 2016 mit 16.471 weiblichen Todesfällen durch Lungenkrebs eine deutliche Steigerung zu verzeichnen. In dieser Entwicklung spiegelt sich – zeitversetzt – die seit den 1960er Jahren ansteigende Raucherquote bei Frauen wider.

Osteoporose

Vor allem Frauen nach der Menopause erkranken an einer Osteoporose. Bei dieser Krankheit nimmt die Dichte der Knochen ab. Diese verlieren an Stabilität und brechen bei vergleichsweise geringer Belastung. Rauchen zählt zu den Risikofaktoren für die Entstehung von Osteoporose. Raucherinnen erleiden häufiger Knochenbrüche als Nichtraucherinnen.
Verschiedene Faktoren werden für die schädliche Wirkung des Rauchens auf die Knochengesundheit verantwortlich gemacht, unter anderem das frühere Eintreten der Menopause. Weitere Risikofaktoren sind ein durch das Rauchen verursachter geringerer Östrogenspiegel sowie eine Absenkung des Vitamin-D-Spiegels, wodurch die Calciumaufnahme gestört wird.

Haut

Rauchen beschleunigt die Hautalterung. Die giftigen Substanzen des Tabakrauchs sorgen dafür, dass das Kollagen der Haut schneller abgebaut wird. Kollagen ist ein wichtiger Stabilisator der menschlichen Haut und eine Voraussetzung für ein glattes und straffes Hautbild. Außerdem wird die Haut von rauchenden Menschen mit weniger Sauerstoff und Feuchtigkeit versorgt. Daher neigen sie stärker zu vorzeitiger Faltenbildung. Bei Raucherinnen altert die Haut noch schneller als bei männlichen Rauchern.
Übrigens wird auch die Wundheilung durch Tabakrauch gestört und die Entstehung verschiedener Hautkrankheiten wird wahrscheinlicher.

Menstruation und Fruchtbarkeit

Vor allem langjähriges Rauchen beeinträchtigt die Fruchtbarkeit von Frauen. Rauchende Frauen sind deshalb häufiger unfruchtbar als Nichtraucherinnen. Auch die hierfür verantwortlichen biologischen Mechanismen sind inzwischen gut erforscht. So beeinträchtigen die Inhaltsstoffe des Tabaks die Entwicklung der Eizellen und stören die Hormonbildung. Auch die Einnistung der befruchteten Eizelle in der Gebärmutter wird durch die in der Blutbahn zirkulierenden Giftstoffe erschwert. In der Folge sinken die Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft. Auch eine künstliche Befruchtung hat durch das Rauchen geringere Erfolgsaussichten.

Frauen, die rauchen und die Pille nehmen, haben ein erhöhtes Risiko für eine Thrombose. Dabei bilden sich Gerinnsel in Blutgefäßen, die dadurch verstopft werden können. Wer die Pille nimmt, hat also einen wichtigen zusätzlichen Grund, nicht zu rauchen.

Während einer Schwangerschaft und auch danach gefährdet Rauchen Mutter und Kind. Dieses Thema wird gesondert aufgegriffen in der Rubrik Schwangerschaft.


Studien zeigen, dass die angesprochenen Gesundheitsrisiken durch einen konsequenten Rauchstopp deutlich gesenkt werden können.

Wie der Ausstieg gelingen kann, erfahren Sie hier

 

 

Quellen

Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.): Rauchen und Hautschäden Heidelberg, 2008

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Downloads

Frauen und Rauchen in Deutschland
Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg, 2008

Rote Reihe, Frauen und Rauchen in Deutschland
Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg, 2008